iPhone X im Test: Zehn Jahre Jesus-Phone!

... und das ist der heutige Stand

iPhone X 10

Das iPhone X ist Steve Jobs’ wahr gewordenes Traum-Smartphone. Es ist verdammt teuer, es wird viel drüber geredet, es schmeckt längst nicht jedem, ist aber Wunschobjekt von vielen. Der Test klärt, ob das iPhone X die hohen Erwartungen erfüllt, wie Face ID funktioniert und wie sich das iOS 11-Smartphone im Alltag schlägt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Der Notch ist ein Charakteristikum!
  3. Design und Verarbeitung
  4. Einhandbedienung und Ergonomie
  5. Display: Ein "würdiges" OLED
  6. Die Fallstricke bei Face ID
  7. Animojis: Ein irrer Aufwand für ein irres Ergebnis
  8. Leistung und Akkulaufzeit
  9. Kamera: Doppelt bildstabilisiert
  10. 4K-Aufnahmen: Schlägt das iPhone X eine Panasonic-Systemkamera?
  11. Sprachqualität und Lautsprecher
  12. iPhone X Plus und iPhone X mini
  13. Das sagt Stiftung Warentest über das iPhone X
  14. Fazit & Alternativen
  15. Datenblatt

 - Für das Apple iPhone X ist eine neue Betriebssystemversion verfügbar

Am 30. Oktober stellt Apple iOS 12.1 für zahlreiche iPhones und iPads bereit. Das große iOS-Update bringt unter anderem 70 neue Emojis und Gruppen FaceTime, zudem werden einige Fehler behoben. Alles Wichtige zu iOS 12.1 verrät netzwelt.

Wir hatten das iPhone X am Release-Tag gefühlt zwei Minuten in der Hand, bevor wir es im Teardown erst einmal auseinander genommen haben. Wir waren erstaunt, wie aufgeräumt und platzoptimiert das Innere des iPhone X ist. Jetzt wollen wir wissen, wie sich das teuerste iPhone aller Zeiten in der Hand und im Alltag anfühlt.

Einleitung

Zehn Jahre iPhone! Da sei an dieser Stelle eine kleine persönliche Anmerkung erlaubt. Als vor zehn Jahren das erste iPhone auf den Markt kam, das so vieles so radikal anders machte als die damalige Konkurrenz in Form von Nokia N95 oder Blackberry 8310 Curve, besorgte ich mir ein iPhone aus den USA.

In der Redaktion angekommen musste das auch damals schon teure Gadget erst einmal einen Jailbreak über sich ergehen lassen. Denn anders ließ sich das Jesus-Phone nicht zum Betrieb mit deutschen Providern überreden. Die Telekom sollte das iPhone erst zu einem späteren Zeitpunkt ins Programm nehmen. So lange konnte ich nicht warten.

"Jesus-Phone". Dieser Begriff war in der Tech-Szene für den ersten iPod mit Telefonfunktion durchaus gängig. Genauso wie die Vorurteile gegenüber dem Kauf eines so teuren Telefons und gegenüber Apple im Allgemeinen. Da hat sich bis heute nicht viel dran geändert.

Rund um den "Notch": Haben wir da zehn Jahre drauf gewartet?

Denn das iPhone X eckt ebenso an. Für ganz nüchterne oder voreingenommene Betrachter hat es etwa einen hässlichen Knubbel im Display, den so genannten Notch. Dieser lässt sich aus zweierlei Sicht betrachten, je nachdem, welche Brille man aufsetzt. Setzen wir zunächst die kritische Brille auf.

Fast die gesamte Vorderseite des iPhone X besteht aus Display. Aber eben nur fast. Denn im oberen Bereich, dort, wo Apple neben Frontkamera und Lautsprecher auch die für Face ID notwendige Technik unterbringt, gibt es einen stets schwarz bleibenden Bereich. Diese Kerbe hat in etwa die Form von zwei gegenüberliegenden Hockey-Schlägern.

Ein merkwürdiger Kompromiss. Entwickler müssen ihre Apps anpassen, was kurz nach dem Release des iPhone X noch längst nicht überall geschehen ist. Dies hat zur Folge, dass viele Apps mit einem schwarzen Balken dargestellt werden. Haben wir darauf wirklich zehn Jahre gewartet?

Der Notch ist ein Charakteristikum!

Man kann auch ganz anders an den "Notch" herangehen. Denn spätestens, wenn ihr das iPhone X dann tatsächlich in den Händen haltet, ist er kaum mehr Thema. Er verschwindet förmlich, man nimmt ihn nach einer Zeit kaum mehr wahr. Man könnte im Gegenteil durchaus behaupten, dass er dem ansonsten so aalglatt durchgestylten Jesus 2.0-Phone eine gehörige Portion Charakter verleiht.

Es gibt sogar indirektes Lob vom ärgsten Konkurrenten Samsung. Dieser macht sich in einem Werbespot nicht nur über die ausbleibenden Schlangen im Zuge des iPhone 8-Releases lustig, sondern eben auch über den Notch. Und zwar in dieser Form:

Apples Design-Abteilung kann sich auf die Schulter klopfen und hat aus der Not eine Tugend gemacht: Screenshot aus der Samsung-Werbung "Growing Up".
Apples Design-Abteilung kann sich auf die Schulter klopfen und hat aus der Not eine Tugend gemacht: Screenshot aus der Samsung-Werbung "Growing Up". (Quelle: Screenshot YouTube)
"Nike hat seinen Swoosh, Mercedes seinen Stern, Apple seinen Notch? So weit ist es noch nicht. Doch wenn ein Produktdesign bereits vor der allgemeinen Verfügbarkeit von einem Konkurrenten in Form einer Frisur rezitiert wird, und alle sofort wissen was gemeint ist, dann kann sich die Design-Abteilung von Apple durchaus auf die Schulter klopfen. Sie hat ein Wiedererkennungsmerkmal geschaffen. Und diese müssen wir in Zeiten austauschbarer Smartphone-Designs mit der Lupe suchen." netzwelt

Der Notch hat noch einen weiteren Vorteil: Im Quermodus dient er uns als nahezu perfekte Ablagestelle für den Daumen. Der Bildschirminhalt fließt dann förmlich um ihn herum.

Design und Verarbeitung

Uns ist bislang noch kein neues iPhone unter die Finger gekommen, das nicht akkurat zusammengebaut wäre. Das gilt auch für das 1.149 (64 GB) oder 1.319 (256 GB) Euro teure iPhone X. Die beiden Gläser auf Vor- und Rückseite werden durch einen umlaufenden, auf Hochglanz polierten Stahlrahmen zusammengehalten. Die reinen Materialkosten des iPhone X mit 64 Gigabyte Speicherkapazität betragen laut Schätzungen von IHS etwa 370 US-Dollar. Allein auf das OLED-Display entfallen rund 110 US-Dollar.

Auf der Rückseite findet ihr das nach Apple-Angaben "widerstandsfähigste Glas, das jemals bei einem Smartphone verbaut wurde". Doch auch wenn es sich auf Grund verschiedener Prozesse nicht wie typisches Glas anfühlt - auch dieses kann und wird bei unsachgemäßem Gebrauch in tausend Teile zerspringen. Ihr solltet daher sehr pfleglich mit dem iPhone X umgehen oder es sofort in eine passende Schutzhülle stecken.

Mit einem Gewicht von 174 Gramm liegt das Testgerät schwerer in den Händen, als vermutet. Zum Vergleich: Das iPhone 8 bringt 148 Gramm, das iPhone 8 Plus 203 Gramm auf die Redaktionswaage. Wir finden: das vergleichsweise hohe Gewicht unterstreicht die Wertigkeit des iPhones. Womit viele Nutzer weniger gut leben können, ist die nach wie vor aus dem Gehäuse herausstehende Kameraoptik auf der Rückseite.

Einhandbedienung und Ergonomie

Aus ergonomischer Sicht waren gerade die Plus-Modelle eher mangelhaft. Der Einhandmodus, bei älteren iPhones durch den doppelten Druck auf den Home Button zu erreichen, war ein oft genutztes Feature, um Apps und Funktionen auch mit einer Hand erreichen zu können. Hat Apple mit dem 5,8 Zoll messenden iPhone X nun die perfekte Mischung aus kompaktem Gehäuse und großem Display gefunden?

Die wichtigsten Gesten beim iPhone X

Kein Home Button mehr - das erfordert eine Umgewöhnung. Doch die sollte mit diesen Tipps nicht allzu schwer fallen.


Zum Artikel

In jedem Fall geht es in die richtige Richtung. Den Großteil der Apps und Schaltflächen erreicht ihr auf dem iPhone X auch mit einer Hand. Trotz fehlendem Home Button gibt es auch beim X zusätzlich einen Einhandmodus. Ihr erreicht ihn, indem ihr mit dem Finger im ganz unteren Bildschirmbereich nach unten streicht. Das klappt gut, wird aber längst nicht so häufig wie bei den Plus-Modellen benötigt.

Display: Ein "würdiges" OLED

Jahrelang forderten Apple-Fans einen OLED-Bildschirm für die iPhone-Reihe. Nicht ohne Grund - der Blick auf ein Galaxy S8 oder LG G6 macht einfach neidisch und die OLED-Technik bietet im Vergleich zu LC-Displays ein paar nicht von der Hand zu weisende Vorteile:

  • geringer Stromverbrauch
  • hohe Kontraste
  • leuchtende Farben
  • sattes Schwarz

Aber gibt es auch Nachteile. Mangelnde Farbtreue ist mit der gravierendste. Kaum jemand möchte im Online-Handel mit seinem Smartphone etwa ein vermeintlich blaues T-Shirt bestellen, das beim Auspacken dann eher grünlich wirkt.

Wer mit Apple-Verantwortlichen spricht, bekommt zur Antwort, dass eben dies mit ein Grund dafür gewesen sei, dass wir so lange auf ein iPhone mit OLED-Screen warten mussten. Erst jetzt sei ein Display entwickelt worden, das "würdig" genug für Apple ist, sagen sie. Man habe zudem jahrelang fieberhaft daran gearbeitet, die Blickwinkelabhängigkeit zu optimieren. Hinzu kommen Apple-Technologien wie True Tone, die ebenfalls einem realistischen Bildeindruck in die Karten spielen. Und das Ergebnis all dieser Bemühungen, ist auf den ersten Blick verwunderlich.

Denn dieser Aha-Effekt, den viele von uns beim schnellen Wechsel von LCD zu OLED verspüren, er bleibt beim iPhone X zunächst aus. Die Unterschiede zum iPhone 8-Display fallen erst einmal nur marginal auf, etwa beim Betrachten von kontrastreichen Inhalten.

Apples erstes OLED-Display sieht klasse aus. Doch auch hier könnt ihr aus manchen Winkeln Farbverfälschungen beobachten.
Apples erstes OLED-Display sieht klasse aus. Doch auch hier könnt ihr aus manchen Winkeln Farbverfälschungen beobachten. (Quelle: netzwelt)

Doch je öfter wir auf das HDR- und Dolby-Vision-kompatible X-OLED blicken, desto mehr wissen wir den Touchscreen zu schätzen. Die Maximalhelligkeit ist mit der des iPhone 8 Plus vergleichbar und auch bei strahlendem Sonnenschein ausreichend. Legen wir das iPhone 8 und das iPhone X mit weißem Bildschirminhalt und deaktiviertem True Tone nebeneinander, werden die Unterschiede zwischen OLED und LCD besonders sichtbar.

Blicken wir in perfektem Winkel von oben auf beide Displays, ist kaum ein Unterschied auszumachen. Doch schon eine leicht schräge Sicht auf die Dinge reicht aus und die Lage ändert sich. Aus schrägem Winkel fällt beim iPhone 8-Display sofort die Helligkeit ab. Diese bleibt beim iPhone X konstant, jedoch bemerken wir eine leichte Farbverfälschung hin ins Graugrüne. Diese ist im Alltag jedoch vernachlässigbar gering.

Eure Probleme mit dem iPhone X

Gerade bei völlig neuen Apple-Produkten läuft nicht immer alles glatt. An dieser Stelle sammeln wir typische Probleme mit dem iPhone X.


Zu den Lösungen

Wir halten fest: Sowohl das LC-Display im iPhone 8 Plus als auch das OLED im neuen iPhone X gehören zu den besten Smartphone-Anzeigen. Wieso dann nicht einfach beim ausgereiften LCD bleiben? Die Antwort liegt im X-Design begründet. Nur OLED-Displays erlauben eine so randlose Ausführung oder gar eine Biegung des Glases wie beim Samsung Galaxy S8.

Wir halten ebenso fest: Das OLED-Display des iPhone X ist kein Alleskönner. Die Gefahr von eingebrannten Inhalten etwa besteht auch hier, Apple weist sogar explizit darauf hin. Aber dieses Display ist um Längen besser als etwa das doch arg zur Blickwinkelabhängigkeit neigendem pOLED-Pendant im Google Pixel 2.

Die Fallstricke bei Face ID

Stellt euch vor, es läge in eurer Verantwortung, ein neues Smartphone zu gestalten. Die Anforderungen der Nutzer sind klar formuliert: Möglichst großer Bildschirm bei geringen Gehäuseabmessungen. Ach ja: Niemand mag Fingerabdruck-Scanner auf der Rückseite des Gehäuses. Ein Dilemma. In der Gerüchte-Phase des iPhone X wurde immer wieder ein Apple-Patent bemüht, welches einen unsichtbaren, im Display integrierten Home Button samt Touch ID zum Thema hat. Heute wissen wir, dass dieses Patent vorerst nicht zum Zug kam.

Wo sollte eurer Meinung nach der Fingerabdruckscanner bei einem Smartphone platziert sein?

Umfrage

Stattdessen setzt Apple auf Technik. Auf komplexe Technik, denn Face ID ist technisch gesehen, vor allem im Vergleich zum bewährten Touch ID, sehr aufwändig. In der so genannten TrueDepth-Kamera, im Notch, versammeln sich Infrarot-Kamera, Näherungssensor, Umgebungslichtmesser, Lautsprecher, Mikrofon, die normale Frontkamera sowie ein Projektor auf engstem Raum. Mit diesem Technik-Aufgebot will Apple euch den Griff auf die Gehäuserückseite ersparen. Ein höchst komplexer Kompromiss. Wir können uns gut vorstellen, das manch einer von euch den Home Button samt Touch ID behalten hätte.

Statt einen Finger aufzulegen, werdet ihr nun also durch ein Kameraauge betrachtet. Eine Infrarot-Maske stülpt sich über euer Gesicht. Dann feuert die TrueDepth-Kamera über 30.000 nicht sichtbare Punkte auf euer Konterfei. Aus all dem entsteht ein dreidimensionales Abbild samt Tiefeninformationen mit den biometrischen Eigenarten eures Gesichtes. Puh!

Doch euch sei gesagt: Face ID ist rasend schnell eingerichtet und funktioniert im Alltag gut, selbst wenn ihr versucht, dass System zu überlisten. Bislang ist uns noch keine Situation untergekommen, bei der die Gesichtserkennung nicht ordnungsgemäß funktioniert hätte. Nur im gleißenden Sonnenlicht mussten wir das iPhone etwas näher an unser Gesicht bringen. Die beiden Geschäftsführer von netzwelt sind Zwillinge - da kam Face ID an die Grenzen und die Brüder konnten beide unser Testgerät entsperren. Ein Sonderfall. Diese Nachteile sind da schon handfester:

  • Face ID ist nicht schneller als Touch ID
  • Face ID lässt sich nicht für mehrere Nutzer, etwa Familienmitglieder konfigurieren
  • Face ID ist aus ergonomischer Sicht umständlich

Der letzte Punkt bedarf einer etwas ausführlichen Erklärung. Ist "Beim Anheben aktivieren" in den Einstellungen aktiviert, schaltet sich das Display des iPhone X automatisch ein, wenn ihr es etwa aus der Tasche zieht. Dann müsst ihr das Apple-Smartphone vor das Gesicht halten, ganz so, als ob ihr ein Selfie aufnehmen wolltet, um per Face ID zu entsperren. Bei uns funktionierte dies im Test selbst auf eine Entfernung von bis zu 60 Zentimetern.

Apple iPhone X: Face ID im Video

Dass der Vorgang erfolgreich war, signalisiert anschließend ein sich öffnendes Schloss im oberen Bildschirmbereich. Doch danach passiert ... nichts. Das iPhone weiß, das ihr es seid, hält euch aber im Sperrbildschirm gefangen. Ihr müsst noch eine weitere Wischgeste vom untern zum oberen Bildschirmrand durchführen, um Zugriff auf den Home Bildschirm und die installierten Apps zu erhalten.

Es ist diese Wischgeste, die wir kritisieren. Denn Apple verlangt, dass ihr diese exakt von der eingeblendeten Linie aus beginnt und den Wisch sauber bis etwa zur Mitte des Bildschirmes durchführt. Das ist mit einer Hand nur unter Idealbedingungen möglich. In der Regel werdet ihr daher meist zwei Hände zum Entsperren benötigen. Bei Touch ID reichte ein Druck auf den Home Button und iOS präsentierte euch den Home Screen.

Wer Face ID nicht verwenden will, kann den Einrichtungsvorgang natürlich überspringen und weiterhin einen PIN-Code benutzen. Bequemer ist das nicht. Und auch nicht unbedingt sicherer. Laut Apple beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Fremdes anhand seiner Biometrie Face ID überlisten kann, bei 1:1.000.000. Zum Vergleich: Bei Touch ID beträgt die Quote 1:50.000. Ein aus Bequemlichkeitsgründen einfach zu merkender PIN-Code lässt sich noch viel leichter knacken.

Wie genau Face ID funktioniert und welche Daten wo gespeichert werden, verrät Apple an dieser Stelle. Vereinfacht ausgedrückt: Wer bislang kein Problem mit der Nutzung von Touch ID hatte, dem fehlen auch die Argumente gegen Face ID. Die Angst, das System ließe sich etwa durch ein Foto austricksen, ist unbegründet.

Animojis: Ein irrer Aufwand für ein irres Ergebnis

Die durch die TrueDepth-Kamera möglich werdenden animierten Emoji, die Apple mit der Wortneuschöpfung "Animojis" bedenkt, waren ursprünglich nur ein Machbarkeitsbweis der neuen Technik. Dann kamen die exakt euren Bewegungen folgenden Hühner, Roboter, Pandas und Kackhaufen der Nachrichten-App bei den Apple-Obersten offenbar so gut an, dass sie die Funktion für alle Nutzer freigaben. Vorhang auf für die Animojis!

Ein irrer Aufwand für ein irres Ergebnis, möchte man meinen. Doch das Herumalbern mit den Mini-Figuren weckt durchaus auch bei Erwachsenen Neugierde. Ihr öffnet die Nachrichten-App, drückt auf das App Store-Symbol und wählt anschließend das Animoji-Symbol, ein Affenkopf, aus. Anschließend könnt ihr aus zwölf unterschiedlichen Charakteren (ja, auch das Einhorn ist dabei) ein passendes wählen.

Haltet nun das iPhone X vor euer Gesicht und siehe da - die Figur auf dem Bildschirm folgt exakt euren Kopf- und Mundbewegungen. Über 50 Gesichtsmuskeln werden beobachtet und auf die virtuelle Figur übertragen. Ihr könnt bis zu zehn Sekunden lange Mini-Videos aufnehmen und diese an eure Freunde verschicken.

Nur mit dem iPhone X könnt ihr derzeit diese Animojis erstellen, sie jedoch an jeden beliebigen Kontakt versenden. Besitzer eines iPhones erhalten diese regulär als iMesssage. Ihr könnt Animojis aber auch ganz einfach per 3D Touch speichern und beispielsweise über WhatsApp verschicken oder sie auf Facebook teilen. Es handelt sich im Grund um ganz normale Video-Dateien, die auch als solche in der Foto-App gespeichert werden. Ob Animojis irgendwann die Emojis ersetzen? Denkbar. Doch sehen wir die Animojis nicht als Kaufgrund für das Jesus-Phone 2.0.

Leistung und Akkulaufzeit

Im iPhone X steckt mit der von Apple entwickelten A11 Bionic-CPU der gleiche Prozessor, wie im iPhone 8 (Plus). Er liefert die gleiche Taktfrequenz und wird ebenfalls von drei Gigabyte RAM unterstützt. Subjektiv können wir keine Leistungsunterschiede zwischen dem iPhone 8 Plus und dem neueren iPhone X feststellen, alles geht rasend schnell und überaus flüssig von der Hand. Das unterstreicht auch ein Blick auf die Benchmark-Ergebnisse, die sich kaum von denen des iPhone 8 Plus unterscheiden.

Benchmark Galaxy S8 Galaxy Note 8 iPhone 7 Plus iPhone 8 (Plus) iPhone X
Geekbench (Single-Core) 1.998 Punkte 2.019 Punkte 3.501 Punkte 4230 Punkte 4265 Punkte
Geekbench (Multi-Core) 6.747 Punkte 6.715 Punkte 5.939 Punkte 10414 Punkte 10.292 Punkte
AnTuTu 173.307 Punkte 176.497 Punkte 184.546 Punkte 205.330 Punkte 227.866 Punkte

Wie wir im Teardown bereits festgestellt haben, verbaut Apple im iPhone X einen zweizelligen Akku mit einer Kapazität von 2.716 Milliamperestunden. Der Energiespeicher brachte uns bislang immer über den Tag, obwohl wir naturgemäß viel ausprobiert haben. Bedenkt jedoch: OLED-Bildschirme sind zwar prinzipiell stromsparender als LCDs. Dies gilt jedoch nicht, wenn ihr viele Inhalte mit hellem Hintergrund betrachtet. Die Akkulaufzeiten können daher stark variieren.

Das iPhone X muss bei normaler bis intensiver Nutzung jeden Tag geladen werden, hält meist länger durch als das iPhone 7 und iPhone 8, aber nicht so lange wie die Plus-Modelle.

Kamera: Doppelt bildstabilisiert

Da die gesamte Face ID-Technik verhältnismäßig viel Platz einnimmt, sah Apple sich gezwungen, die Position der rückseitigen Kamera zu ändern. Im Gegensatz zum iPhone 7 Plus und iPhone 8 Plus ist sie nun vertikal ausgerichtet. Die Auflösung der Sensoren beträgt nach wie vor 12 Megapixel. Doch liefert die Dual-Kamera des iPhone X tatsächlich noch einmal leicht bessere Bilder als das iPhone 8 Plus.

Ein mit dem iPhone X (Tele) aufgenommenes Testbild aus dem Hamburger Hafen.
Ein mit dem iPhone 8 Plus (Tele) aufgenommenes Bild des Hamburger Hafens.

Ein mit der rückseitigen Hauptkamera (Tele) aufgenommenes Bild aus dem Hamburger Hafen. Die Unterschiede fallen sehr gering aus. Die linke Aufnahme stammt aus dem iPhone 8 Plus, rechts daneben das Ergebnis des iPhone X.

Dies hat mehrere, feine Unterschiede. Zum einen sind beide Optiken des iPhone X bildstabilisiert. Zum anderen verbaut Apple nun ein lichtstärkeres (Blende f/2.4 statt f/2.8) Teleobjektiv. Aufnahmen bei Dämmerung gelingen nun ein wenig schärfer. Sowohl die Frontkamera im iPhone 8 Plus als auch die im iPhone X liefert Selfies mit einer Auflösung von bis zu sieben Megapixeln, jedoch ist nur die Frontkamera des iPhone X in der Lage, Tiefeninformationen zu sammeln.

iPhone X - Testbilder (Front- und Dual-Kamera)

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Bedeutet: Mit dem iPhone X könnt ihr auch bei Selfies den wundervollen Portrait-Modus nutzen. Wer viel und gerne Selfies aufnimmt, sollte unbedingt das iPhone X in Erwägung ziehen. Auch, weil die Frontkamera in dunklen Umgebungen wesentlich kontrastreichere Ergebnisse abliefert. Dennoch sind die Aufnahmen im Portrait-Modus mit der rückseitigen Dual-Kamera noch einmal deutlich besser, da mehr Details eingefangen werden. Dies ist etwa bei den verschiedenen Portrait Lightning-Modi gut sichtbar. Letzter läuft nach wie vor unter Beta-Flagge.

4K-Aufnahmen: Schlägt das iPhone X eine Panasonic-Systemkamera?

Mit dem iPhone X könnt ihr wie mit dem iPhone 8 Plus 4K-Videos mit bis zu 60 Einzelbildern in der Sekunde aufnehmen. Und das klappt auch dank der beiden Bildstabilisatoren erstaunlich gut. Ihr benötigt nun nicht mehr unbedingt ein Stativ oder einen Gimbal, um wirklich ansehnliche Clips mit dem iPhone X zu drehen.

Wie gut die Videoaufnahmen des iPhone X wirken, zeigt das nachfolgend eingebundene Video eines professionellen Filmemachers. Er vergleicht die Videoaufnahmen des iPhone X mit denen einer Panasonic GH5. Das Ergebnis ist beeindruckend.

Versucht einmal selbst zu entscheiden, welches Bewegtbild besser auf euch wirkt. Die Grenzen einer iPhone-Kamera zeigt das Video übrigens ebenso eindrucksvoll auf.

Sprachqualität und Lautsprecher

Wir konnten im Testzeitraum keinen Unterschied bei der Sprachqualität zum iPhone 8 ausmachen. Stimmen werden in beide Richtungen klar übertragen, Nebengeräusche effektiv gefiltert. So soll es sein.

Apple verspricht für das iPhone X bis zu 35 Prozent kräftigere Lautsprecher und einen stärkeren Bass. Nun ja. Im direkten Vergleich zum ohnehin schon sehr lauten und für Smartphone-Verhältnisse gut klingendem iPhone 8 Plus, konnten wir kaum einen Unterschied feststellen. Dennoch solltet ihr im Zweifel besser vernünftige Bluetooth-Kopfhörer mit dem iPhone X koppeln.

iPhone X Plus und iPhone X mini

Kaum ist das iPhone X auf dem Markt, melden sich die ersten Apple-Kunden zu Wort und äußern den Wunsch nach einem "iPhone X Plus" mit noch größerem Bildschirm oder einem kleineren "iPhone X mini". Zu beiden denkbaren Modellvarianten ist es aber noch verdächtig still in der Gerüchteküche.

Doch da das iPhone X bekanntlich mehr als nur eine Einjahresfliege sein soll und das Design der kommenden zehn Jahre vorgeben zu gedenkt, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis wir ein randloses OLED-Display samt Face ID in anderen Apple-Smartphones sehen werden. Ein iPhone X Plus mit den Gehäuseabmessungen eines iPhone 8 Plus aber durchgehenden Display? Wieso nicht? Ähnliches wäre auch für eine nächste Generation des iPhone SE denkbar.

Das sagt Stiftung Warentest über das iPhone X

Auch die Stiftung Warentest hat das iPhone X in einem so genannten "Schnelltest" unter die Lupe genommen. Hier kommt das neue iPhone eher schlechter weg. So wird bemängelt, dass das iPhone 10 das "zerbrechlichste iPhone aller Zeiten" sei. Nach einem Fall- und Schleudertest, bei dem auch das Galaxy S8 versagte, zeigten die verwendeten Modelle deutliche Schwächen. Bei einem von drei Exemplaren splitterte die Glasrückseite, bei den anderen zeigte anschließend das Display Fehler.

An anderer Stelle sprechen die Test vom schlechtesten Akku in einem aktuellen iPhone. Wie genau getestet wurde, geht aus dem Schnelltest jedoch nicht hervor. Einen Vorteil am "neuen Home Button" können die Tester ebenso nicht ausmachen. Auf Grund dieser Schwächen raten die Experten zum Kauf eines iPhone 8 (Plus).

Apple iPhone X: Fazit

Der Godfather of Phones? 9.1/10

Das iPhone X ist vollgepumpt mit modernster Technik, fühlt sich nach einiger Zeit trotz radikaler Schritte wie dem Wegfall des Home Buttons aber genauso intuitiv wie die übrigen modernen iPhones an. Das werden Apples treue Kunden zu schätzen wissen. Verarbeitung, Leistung, Kameras, Display - all das treibt Apple beim Jubiläums-iPhone auf die Spitze. Ob wir uns an das X in zehn Jahren wohl etwas rührselig erinnern und sagen werden: Ja, Face ID, das OLED-Display und Animojis - das hat die Smartphone-Welt verändert? Wohl kaum. Wer sein Smartphone als Luxus-Objekt, Produktiv-Tool, Kamera-Ersatz und Multimedia-Konsole sieht, kommt an Apples iPhone X definitiv nicht vorbei. Aus dem Jesus-Phone wurde nach zehn Jahren kein Gott-Phone. Doch es setzt sich fast mühelos an die Smartphone-Spitze. Wird es die kommenden zehn Jahre Smartphone-Entwicklung genauso prägen wie das erste iPhone? Da sind wir skeptisch. Dennoch: Traumnote 9,1 von 10!

Das hat uns gefallen

  • Design und Verarbeitung
  • Displayqualität
  • Kameras
  • Face ID im Alltag
  • Wasserschutz (IP67)

Das hat uns nicht gefallen

  • Face ID-Wischgeste
  • kein SD-Kartenslot
  • lange Ladezeiten bei Standard-Netzteil
Testnote 9,1 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
10 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

7,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

7,0 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

9,0 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das iPhone X wurde uns von Apple als Dauerleihgabe (1 Jahr) zu Verfügung gestellt. Anschließend wird es wieder an den Hersteller übergeben.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

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8
Leserwertung

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Apple iPhone X verglichen

Ihr seid euch unsicher, ob ihr das Apple iPhone X kaufen oder lieber zu einem Konkurrenzprodukt greifen solltet? Die folgenden Vergleichstests helfen euch bei der Kaufentscheidung. Wir stellen hier das Apple iPhone X seinen schärfsten Konkurrenten gegenüber.

Bestenlisten

Apple iPhone X wurde in folgende Smartphone-Bestenlisten einsortiert.

Apple iPhone X - Specs: Die technischen Daten im Überblick

Die nachfolgende Tabelle zeigt euch die wichtigsten technischen Daten des Apple iPhone X im Überblick. Eine detaillierte Auflistung findet ihr im technischen Datenblatt, um das Apple iPhone X mit anderen Smartphones zu vergleichen besucht unseren Handy-Vergleich.

Prozessor Apple A11
Display SUPER AMOLED Color (16M) 1125x2436px (5.8") 463ppi
RAM 3 GB
Gerätespeicher 64 GB
Hauptkamera 12 Megapixel
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  1. Thomas Kahl · 

    Ich habe das Iphone X und es ist rasend schnell, die Akkulaufzeit erinnert mich an das damalige Galaxy S5, mit dem ich bzgl. der Laufzeiten sehr zufrieden war. Die Kamera ist ebenso top! Probleme habe ich nur mit einigen Apps, die noch nicht wirklich optimiert wurden. Bei Jumpn‘ Run Spielen macht das Bildschirmformat hingegen total Spaß, da man einfach mehr sichtbare Fläche in der Waagerechten hat. Die Sprachqualität ist in Vergleich zu meinem 6S Plus um Welten besser. Für mich ist es das beste Smartphone, das ich je besessen habe(Galaxy Note2-4, Iphone 6/s Plus, Galaxy S5)

  2. Gastkommentar · 

    Leider komme ich immer wieder aus dem Nichts in den Vergrößerungsmodus und es dauer lange und benötigt vieler Versuche hier wieder heraus zu kommen. Das Problem hatte ich schon beim 7er und 6er.

  3. Gastkommentar · 

    Ein würdiges OLED? Schwache Blickwinkel, Einbrenn-Effekt, grüne Linie etc. Apple hätte das Display besser selbst entwickeln sollen, anstatt von Samsung zu kaufen. Dann hätten sich der Start zwar verzögert. Aber Ostern 2018 wäre immer noch ein guter Termin gewesen.

  4. Hard Beat Xplosion · 

    Muss man nicht verstehen warum Sprachqualität nur 7 von 10 bekommt es im Test aber nach 10 von 10 klingt?!

Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Apple iPhone, Apple, Smartphone, Apple iOS 11 und Apple iPhone X.

Das Apple iPhone X wurde ursprünglich mit Apple iOS 11.0 "Apple iOS 11" ausgeliefert. Mittlerweile ist für das Apple iPhone X die Version 12.1 "Apple iOS 12" verfügbar.

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