Google Pixel 3 XL im Test: Liebe auf den zweiten Blick

Android-Handy mit langem Software-Support

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von Jan Kluczniok
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Google Pixel 3 XL 7

Kein Entsperren per Gesichtserkennung, wenig Speicher und nur eine Kamera auf der Rückseite. Das Pixel 3 XL wirkt auf den ersten Blick im Vergleich mit anderen Top-Smartphones 2018 technisch überholt. Im Test zeigt das Google-Handy aber einige Vorzüge, die auch anderen Android-Smartphones gut zu Gesicht stehen würden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Ausstattung und Bedienung
  3. Sprachqualität
  4. Akkulaufzeit
  5. Kamera
  6. Preis und Verfügbarkeit
  7. Fazit & Alternativen

 - Für das Google Pixel 3 XL ist eine neue Betriebssystemversion verfügbar

Googles Pixel-Handys werden noch besser. Der Konzern verteilt ab sofort ein Night Sight genanntes Update für die Kamera der Smartphones. Der neue Nachtsichtmodus sorgt für bessere Fotos bei Dunkelheit und Dämmerung.

Das Pixel 3 XL hat es in der öffentlichen Wahrnehmung nicht leicht. Noch vor der Präsentation Anfang Oktober gelangten die technischen Details des neuen Google-Handys ins Netz und die klingen im Vergleich wenig spektakulär. Während die Konkurrenz ihren Android-Handys bis zu 10 Gigabyte Arbeitsspeicher und bis zu vier Kameras auf der Rückseite spendiert, bietet das neue Google-Handy nur eine Hauptkamera, Arbeits- und Gerätespeicher fallen mit 4 beziehungsweise 64 Gigabyte eher klein aus und auch sonst sind atemberaubende Features Mangelware. Fingerabdrucksensor im Display? 3D-Gesichtserkennung? Fehlanzeige.

Der Preis für das Pixel 3 XL fällt mit 949 Euro aber genauso hoch aus, wie bei der Konkurrenz. Da liegt das Urteil: "Finger weg" nahe. Doch Vorsicht! Ihr solltet nicht vorschnell den Daumen senken, denn im Test bereitet uns das Pixel 3 XL viel Freude. Das fängt bereits beim Design an.

Design und Verarbeitung

Pixel 3 XL versus Pixel 2 XL: Google hat die Displayränder bei der neuen Generation deutlich reduziert.
Pixel 3 XL versus Pixel 2 XL: Google hat die Displayränder bei der neuen Generation deutlich reduziert. (Quelle: netzwelt)

Der Vorgänger Pixel 2 XL bot zwar ein Edge-Display mit gebogenen Kanten, besaß aber dennoch breite schwarze Ränder um den Screen. Das wirkte wie gewollt und nicht gekonnt. Ganz anders ist es beim Pixel 3 XL. Das Display misst nun zwar 6,3 statt 6 Zoll, die Abmessungen bleiben aber nahezu unverändert. Google nutzt die Frontseite wesentlich besser aus als beim Vorgänger. Das gefällt. Zumal das Gerät mit seinen nun wieder rechtwinkligen Bildschirmrändern deutlich sicherer in der Hand ruht als etwa das Note 9.

Fairerweise sei jedoch auch gesagt, dass andere Hersteller größere Bildschirme noch einen Tick kompakter verbauen - etwa Apple beim iPhone XS Max. Hierfür gibt es zwei Gründe: Zum einen verbaut Google anders als Apple auf der Frontseite einen zweiten Lautsprecher, zum anderen sind die Displayränder des Pixel 3 wieder druckempfindlich. Quetscht ihr das Smartphone zusammen, wird der Google Assistant aufgerufen. Diese Techniken brauchen natürlich Platz.

Das Google Pixel 3 XL im Unboxing

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Was beim Betrachten des Pixel 3 XL direkt ins Auge sticht, ist die breite Einkerbung, auch Notch genannt, mittig im oberen Bereiche des Bildschirms. Hier bringt Google unter anderem die Frontkameras sowie den Ohrmuschellautsprecher unter. Die fette Notch mag nicht jedermanns Geschmack sein, sorgt aber zusammen mit den reduzierten Displayrändern dafür, dass das Gerät trotz gewachsener Bilddiagonale nicht in Höhe und Breite zugelegt hat. Anders als etwa beim Motorola One lässt sich die Breite der Einkerbung zudem zumindest durch die zweite Frontkamera rechtfertigen. Welche Funktion diese hat, dazu kommen wir später.

Drehen wir das Pixel 3 XL erst einmal um. Denn nicht nur auf der Frontseite gibt es beim Pixel 3-Neuerungen, auch auf der Rückseite hat sich in Sachen Design und Verarbeitung einiges getan. Google hält zwar an der für die Pixel-Geräte typischen zweifarbigen Design fest, der obere Bereich des Covers ist in einem dunkleren Ton der Grundfarbe gehalten als der untere, allerdings ist der Rücken der neuen Generation nun komplett aus Glas gefertigt, wodurch sich die Geräte drahtlos aufladen lassen.

Wer das Pixel 3 XL in die Hand nimmt, wird dies jedoch nicht bemerken. Der untere Teil der Gorilla Glas 5-Scheibe ist nämlich matt gehalten und mit einer Soft Touch-Beschichtung überzogen. Diese Gummierung sorgt für einen ordentlichen Grip und dafür, dass Fingerabdrücke zumindest im unteren Teil auf dem Pixel 3 XL kaum zu sehen sind. Mit IP68 weist das Handy übrigens eine höhere Schutzklasse bei Staub und Wasser auf und kann auch beispielsweise zeitweise untergetaucht werden.

Erhältlich ist das Pixel 3 XL in Schwarz, Weiß und Pink. Bei der weißen und der pinken Farbvariante hebt sich der Einschalter farblich vom Rest des Gehäuses ab. Beim weißen Modell ist er grün, beim pinken orange. Die pinke Farbvariante wird von Google als "Not Pink" bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um einen sehr zarten Pinkton, der fast ins weißliche übergeht. Bei unserem Testgerät handelt es sich um die weiße Variante.

Fazit zum Design und Verarbeitung: Das Pixel 3 XL besitzt mit seiner zweifarbigen Rückseite ein ikonisches Design. Das Verhältnis von Bildschirm zu Gehäuse ist wesentlich besser als beim Vorgänger und das Gerät liegt sicherer in der Hand. Trotz Glasrückseite hält sich die Anfälligkeit für Fingerabdrücke in Grenzen.

Ausstattung und Bedienung

Beim Pixel 2 XL musste Google viel Kritik für das Display einstecken. Nutzer beklagten unter anderem die Farbdarstellung, das schnelle Einbrennen von Bildschirminhalten und eine Blauverschiebung bei Neigung. Google reagierte auf die Probleme teils mit einem Software-Update und teils mit Unverständnis. Bauartbedingt weisen pOLED-Displays eine leichte Farbänderung auf, wenn man sie neigt. Dies sei kein Fehler, ließ das Unternehmen seiner Zeit verlauten.

Display

Intern hat man sich die Kritik aber offenbar sehr wohl zu Herzen genommen. Die Blickwinkel fallen bei den neuen Pixel-Geräten deutlich größer aus. Zwar konnten wir auf unserem Testgerät noch leichte Farbverfälschungen feststellen, diese waren aber so minimal, dass sie im Alltag nicht wirklich auffallen dürften. Generell gefällt der Screen des neuen Google-Phones mit satten Farben und einem hohen Kontrast.

Performance

Im Inneren des Pixel 3 XL werkelt der Qualcomm-Chip Snapdragon 845. Der Octa-Core treibt auch Konkurrenzprodukte wie das OnePlus 6, das HTC U12+ oder das LG G7 ThinQ an. Im Pixel 3 XL stehen ihm aber nur 4 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, in anderen Geräten kann er teilweise auf die doppelte Menge zugreifen. Das wirkt sich im Benchmark-Vergleich aber offenbar nicht gravierend aus.

Benchmark/Handy Google Pixel 3 XL Apple iPhone XS Max Samsung Galaxy Note 9 OnePlus 6
GeekBench (Single-Core) 2.382 Punkte 4.732 Punkte 3.595 Punkte 2.448 Punkte
GeekBench (Multi-Core) 8.392 Punkte 11.212 Punkte 9.058 Punkte 9.071 Punkte
AnTuTu 287.417 Punkte 358.855 Punkte 247.814 Punkte 264.828 Punkte

Erläuterung: AnTuTu ist wohl das populärste Tool zum Messen der Leistungsfähigkeit des eigenen Smartphones. Die App prüft nicht nur die Leistungsfähigkeit des Prozessors (CPU), auch andere Smartphone-Komponenten wie die Grafikeinheit oder der Arbeitsspeicher werden getestet. GeekBench fokussiert sich dagegen vor allem auf die Leistungsfähigkeit der CPU. Je höher die Punktzahl ausfällt, umso besser ist das Ergebnis. Wollt ihr die Leistungsfähigkeit eures eigenen Smartphones testen, könnt ihr euch AnTuTu, 3DMark und Geekbench bei uns im Download-Archiv kostenlos herunterladen.

Wie ihr seht, ist das Google-Handy zwar nicht das schnellste Handy am Markt, es kann aber mit der Android-Konkurrenz mithalten. Im AnTuTu-Benchmark, der einen Eindruck von der Performance bei grafikintensiven Spielen vermittelt, lässt das Pixel 3 XL sogar das OnePlus 6 und das Note 9 hinter sich. Das iPhone XS Max spielt dagegen in einer anderen Liga. Es sei zudem erwähnt, dass Benchmarks auch nur die halbe Wahrheit sind. Im Test konnten wir beim Pixel 3 XL keine Ruckler oder Verzögerungen in der Bedienung feststellen. Dies ist trotz Top-Werten in Benchmarks bei Android-Smartphones anderer Hersteller oftmals nicht so.

Das Google Pixel 3 XL in Bildern

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Speicher und weitere Hardware

Bei der weiteren Ausstattung gibt es auf den ersten Blick vor allem ein Manko im Vergleich zur Konkurrenz: Der Gerätespeicher ist in der Basis-Ausführung gerade einmal 64 Gigabyte groß, maximal misst er 128 Gigabyte und lässt sich auch nicht per Speicherkarte erweitern. Andere Hersteller bieten ihre High End-Geräte mittlerweile als Basis-Modell mit 128 Gigabyte Speicher an und gegen Aufpreis sogar mit bis zu 512 Gigabyte Speicher. Immerhin könnt ihr als Pixel 3 (XL) Nutzer aber eure Bilder kostenlos in der Google-Cloud sichern. Eine Speicherbegrenzung gibt es hierfür laut Google nicht. Das dürfte so manche Speicherplatzsorgen lindern.

Ansonsten bietet das Pixel 3 XL eigentlich alles, was ihr auch von der Konkurrenz kennt. GPS, das schnelle WLAN ac, Bluetooth 5.0 sowie einen Fingerabdrucksensor. Lediglich die Möglichkeit das Smartphone per Gesichtserkennung zu entsperren, vermissten wir im Test noch.

Software

Wer sich in der Vergangenheit für ein Pixel oder Nexus entschied, tat dies zumeist wegen der langfristigen und verlässlichen Versorgung mit Android-Updates und Sicherheitspatches. Diese ist natürlich auch beim neuen Pixel 3 XL gegeben. Das Pixel 3 XL kommt mit Android 9.0 Pie in den Handel. In einem separaten Artikel geben wir euch einen Überblick über alle Neuerungen des neuen Handy-OS von Google. Wie für die Pixel-Geräte typisch bietet das Pixel 3XL gegenüber anderen Stock-Android-Geräten aber einige Zusatzfeatures, die wir euch nachfolgend auflisten:

  • Google Lens muss nicht separat aufgerufen werden, sondern arbeitet in der Kamera-App automatisch im Hintergrund.
  • Google Duplex wird ab November zunächst auf den Pixel 3-Geräten zur Verfügung stehen.
  • Ihr könnt YouTube Music sechs Monate gratis nutzen.

In den vergangenen Jahren waren die Pixel-Features aber nur für eine gewisse Zeit exklusiv auf den Google-Geräten verfügbar und fanden dann später ihren Weg auch auf andere Android-Handys. Was beim Pixel 3 XL gefällt ist wie aufgeräumt die Menüs und das System erscheinen, hier wird euch kein Newsaggregator im Startbildschirm aufgedrängt und ihr müsst keine Bloatware deinstallieren.

Fazit zu Ausstattung und Bedienung: Das Pixel 3 XL weist zwar keine spektakulären Hardware-Komponenten auf. Die verbaute Technik ist aber konkurrenzfähig. Hard- und Software sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Das System ist schlank und schnell. Google garantiert euch zudem drei Jahre lang Software-Updates.

Sprachqualität

Das Pixel 3 XL bietet drei Mikrofone, von denen mit bloßem Auge nur eines wirklich sichtbar ist. Die zwei zusätzlichen "Mics" dienen dazu störende Geräusche im Hintergrund auszublenden und dies gelingt vorzüglich. Den Verkehrslärm der Großen Elbstraße nahm unser Gesprächspartner im Test nicht war, lediglich starker Wind war zu hören. Dennoch war auch unter diesen Umständen noch ein Gespräch in normaler Lautstärke möglich. Wer viel mit dem Smartphone telefoniert, trifft mit dem Pixel 3 XL eine vorzügliche Wahl.

Ein Dual-SIM-Handy ist das Pixel 3 XL nicht. Das Smartphone besitzt nur einen Nano-SIM-Slot. Zwar wird euch bei der Einrichtung auch die Option angezeigt das Google-Handy mit einer eSIM zu betreiben. Die virtuelle SIM-Karte zusätzlich als zweite SIM-Karte zu nutzen, ist aber nicht möglich, teilte uns Google auf Anfrage mit. Diese Option bieten aktuell nur das iPhone XR, das iPhone XS und das iPhone XS Max. Gut möglich aber, dass Google das Feature per Update zu einem späteren Zeitpunkt nachreicht.

Akkulaufzeit

Google stattet das Pixel 3 XL mit einem 3.430-Milliamperestunden-Akku aus. Dieser ist fest verbaut. Das von uns verwendete PCMark stürzte im Test mehrfach ohne erkennbaren Grund auf dem Pixel 3 XL ab. Daher müssen wir uns zur Bewertung der Akkulaufzeit auf die Eindrücke aus unserem Alltag mit dem Pixel 3 XL verlassen. Unserer Meinung nach reicht eine Akkuladung locker für einen Tag, je nach Nutzungsintensität könntet ihr sogar noch Reserven für ein paar weitere Stunden haben. Viel mehr kann aber auch Android 9.0 nicht aus dem Auge des Pixel-Smartphones herausholen.

Ist der Akku einmal leer, dauert der Ladevorgang mit dem beiliegenden Netzteil knapp 90 Minuten - ein guter Wert. Nervig finden wir jedoch, dass das beiliegende Ladekabel nicht zugleich als Datenkabel verwendet werden kann. Denn das Kabel weist zwei USB-C-Anschlüsse im Formfaktor "Micro" auf. Zum Anschluss an den PC benötigt ihr also einen entsprechenden Adapter.

Wahlweise ladet ihr das Pixel 3 XL auch drahtlos. Dies dauert ein wenig länger, vor allem, wenn ihr nicht auf von Google zertifiziertes Zubehör - wie die Ladestation Pixel-Stand setzt. Denn nur in zertifizierten Ladestationen lädt das Pixel 3 mit 10 Watt drahtlos auf. Bei nicht-zertifizierten Ladestation ist die Leistung des Wireless Charging auf 5 Watt beschränkt.

Kamera

Dank Playground schießt ihr auf dem Pixel 3 (XL) Selfies mit Iron Man.
Dank Playground schießt ihr auf dem Pixel 3 (XL) Selfies mit Iron Man. (Quelle: netzwelt)

Die Kamera war das Highlight des Pixel 2 XL - auch noch über ein Jahr nach der Veröffentlichung zählt das Google-Handy zu den besten Kamera-Smartphones am Markt. Diesen Nimbus will Google nun festigen und ausbauen. So soll das Pixel 3 (XL) nicht nur das beste Kamera-Smartphone auf den Markt werden, sondern auch das beste Handy für Selfies. Um dies zu ermöglichen, verbaut Google auf der Front zwei 8-Megapixel-Kameras. Anders als beim Huawei Mate 20 Lite dient die zweite Frontkamera nicht als Assistenzkamera bei Portrait-Fotos, sondern soll dank einem Blickwinkel von 97 Grad Gruppenselfies erleichtern. Die reguläre Frontkamera bietet einen Blickwinkel von 75 Grad. Über einen Schieberegler könnt ihr stufenlos in der Kamera-App so bei euren Selfies rein oder rauszoomen. Laut Google wird die zweite Kamera zudem verwendet, um bei Selfies perspektivische Verzerrungen herauszurechnen.

Sind gerade keine Freunde für ein Selfie zur Stelle, holt ihr euch über die Funktion "Playground" einfach ein paar virtuelle Kameraden dazu - etwa Marvel-Held Iron Man oder die Kids aus Stranger Things. Die Figuren stehen dabei nicht nur still im Hintergrund, sondern reagieren auf euch auch mit Gesten. Das lässt die ganze Szenerie sehr natürlich und realistisch wirken. Möglich wird dies dank aufwendiger Algorithmen, die das Bild analysieren. Auch wenn es sich hier natürlich nur um ein Gimmick handelt, sorgten unsere Selfies mit Iron Man im Test für viel Aufsehen im Freundeskreis. Allerdings nimmt die Qualität der Selfies bei schwachen Lichtverhältnissen ab, hier arbeitet Google aber bereits an einer Lösung.

Google Pixel 3 XL: Kamera-Samples

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So viel zu den Frontkameras. Was hat die Hauptkamera des Pixel 3 XL zu bieten? Technisch ist das Setup auf der Rückseite identisch mit dem Vorgänger. Die Kamera des Pixel 3 XL löst weiterhin mit 12 Megapixeln auf, Blende und Pixelgrößen bleiben ebenfalls unverändert. Und unverändert schießt das Pixel 3 XL gute Bilder bei Tag und Nacht - und zwar ohne, dass ihr euch in den Profi-Modus begeben oder eine Künstliche Intelligenz zur Hilfe holen müsst. In der Mediengalerie findet ihr einige Bilder mit denen ihr euch eine Eindruck von der Bildqualität der Kamera des Pixel 3 XL machen könnt.

Im Vergleich zum Pixel 2 XL hat Google aber noch einige Funktionen in die App integriert, die wir euch nachfolgend vorstellen wollen:

Top-Shot

An aller erster Stelle wäre hier zunächst "Top-Shot", in Deutschland bezeichnet Google das Feature als Top-Foto, zu nennen. Hier nimmt die Kamera bereits einige Momente bevor und nach dem ihr den Auslöser drückt Bilder des gewählten Motives auf. Ein Algorithmus soll aus der Menge an Aufnahmen das beste Bild heraussuchen. Beliebte Fotofehler wie geschlossene Augen oder ein gequältes Lächeln sollen damit der Vergangenheit angehören.

Im Test konnte uns die Funktion aber nur mäßig begeistern. Zwar sucht das Pixel 3 XL zielsicher das beste Foto aus einer Strecke raus. Damit es das macht, muss aber erst die Funktion "Motion" in der Kamera-App eingeschaltet oder auf "Automatik" gestellt werden. Wir würden euch aber empfehlen sie dauerhaft einzuschalten, andernfalls ist nicht garantiert, dass das Pixel 3 XL Top-Shot nutzt. Was das Feature im "Automatik"-Modus auslöst, konnten wir im Test nicht genau ermitteln. Offenbar spielt die Anzahl und der Ausdruck der erkannnten Gesichter eine Rolle.

Umständlich ist es auch sich die Alternativen zum von Google ausgewählten Bild anzuschauen. Hierfür müsst ihr das Bild bei Google Fotos öffnen und dann runterscrollen, unter den Exif-Daten des Fotos werden euch dann die weiteren Bilder angezeigt. Wir finden Google sollte mit einem Update die Funktion intuitiver gestalten.

Super-Res-Zoom

Mit "Super Res Zoom" bietet das Pixel 3 (XL) nun auch einen verbesserten digitalen Zoom. Über eine Lupe könnt ihr bis zu fünffach stufenlos in eine Aufnahme reinzoomen, die Qualität soll dabei nicht nennenswert leiden. Google macht sich hier das Zittern eurer Hand zunutze. Die Kamera des Pixel 3 XL schießt beim Druck auf den Auslöser eine Reihe von Bildern, jedes ist durch das Zittern euer Hand etwas unterschiedlich. Aus dieser Masse an Bildern berechnet Google das Zoom-Bild.

Hamburger Hafen: 3-fach Zoom Pixel 3
Hamburger Hafen 3-fach Zoom Huawei P20 Pro

Foto Hamburger Hafen, aufgenommen um 12:46 Uhr am 16. Oktober. Das linke Bild wurde mit dem Huawei P20 Pro aufgenommen, das rechte Foto mit dem Pixel 3 XL. Beide Fotos wurden ohne Blitz und Stativ im Automatikmodus geschossen.

Das klappt bis zu einer gewissen Zoom-Stufe ganz gut, wie der nachfolgende Vergleich zwischen P20 Pro und Pixel 3 XL zeigt. Bei beiden Bildern wurde dreifach in das Bild hineingezoomt. Beide Smartphones liefern ein scharfes, detailreiches Bild. Allerdings wirken die Farben beim P20 Pro deutlich natürlicher, beim Pixel 3 XL dagegen leicht überzeichnet. Bei höheren Zoomstufen wird dieser Effekt noch stärker. Mit dem Pixel 3 XL gemachte Aufnahmen wirken dann fast wie ein Ölgemälde.

Night Sight

Dank dem Night Sight Modus des Pixel 3 XL machti hr im Dunkeln bessere Fotos.
Dank dem Night Sight Modus des Pixel 3 XL machti hr im Dunkeln bessere Fotos. (Quelle: netzwelt)

Last but not least ist bei den neuen Kamera-Funktionen der Modus "Nachtsicht (Night Sight)" zu nennen. Mit dieser Funktion sollt ihr bei schwachen Lichtverhältnissen bessere Bilder machen. Ein Algorithmus ermittelt laut Google, welche Objekte im Bild zu sehen sind und weist den Motiven dann typische Farben zu. Die Funktion stand auf unserem Testgerät offiziell noch nicht zur Verfügung. Der Internet-Konzern will sie im November über ein Software-Update nachliefern.

Mitglieder der Entwickler-Community XDA Developers haben jedoch entdeckt, dass der Modus bereits im Quellcode der aktuellen Kamera-App des Pixel 3 enthalten und nur nicht sichtbar ist. Durch eine Modifikation der App ist es ihnen gelungen, Night Sight zu aktivieren. Über den folgenden Link gelangt ihr zum Beitrag bei XDA Developers und könnt dort auch die modifizierte App herunterladen und selbst ausprobieren.

Wir waren mit dem Pixel 3 XL nach Einbruch der Dunkelheit in Hamburg-Altona unterwegs und zeigen euch nachfolgend an einigen Beispielen, was der neue Nachtmodus so drauf hat. Alle Bilder wurden mit den Standard-Einstellungen aus der Hand ohne Stativ geschossen.

Beispiel 1

Das Bild wurde gegen 20:30 Uhr an der Christianswiese in Hamburg-Altona aufgenommen. Ohne Night Sight-Modus ist praktisch nichts zu sehen. Mit dem Nachtmodus werden Details wie das Laub auf dem Boden oder die Uhrzeit auf der Kirchturmuhr plötzlich sichtbar.

Beispiel_Nacht Pixel 3 XL 1
Pixel 3 XL_Beispiel 1_ohne Nachtsicht

Das linke Bild ist ohne Night Sight entstanden, das rechte Bild mit.

Beispiel 2

Diese Aufnahme zeigt das Graf Blücher Denkmal in Altona. Sie ist ebenfalls gegen 20:30 Uhr entstanden.

Pixel 3_XL-Night Sight_2
Pixel 3_XL-No-Night Sight_2

Das linke Bild ist ohne Night Sight entstanden, das rechte Bild mit.

Beispiel 3

Diese Aufnahme entstand am Altonaer Balkon um 20:38 Uhr. Dank Night Sight Modus seht ihr nicht nur mehr Details, sondern erhaltet auch eine deutlich natürlichere Farbdarstellung der Szenerie.

Beispiel 3 Pixel 3 XL Night Sight
Pixel 3 No Night Sight 3

Das linke Bild ist ohne Night Sight entstanden, das rechte Bild mit.

Beispiel 4

Die vorherigen Bilder haben gezeigt, dass der Night Sight-Modus auch unter extremen Bedingungen beeindruckende Fotos liefert. Bei der Betrachtung am PC ist hier aber ein deutliches Rauschen erkennbar. Ist noch etwas mehr Licht vorhanden, liefert der Modus deutlich bessere Fotos. Wie das folgende Beispiel zeigt. Das Foto ist am Altonaer Rathaus gegen 20:30 Uhr entstanden. Im Gegensatz zu den vorherigen Situationen gab es hier aber mehr indirekte Lichtquellen - wie etwa Straßenlaternen.

Beispiel 4 Night Sight Pixel 3
Pixel 3 XL No Night Sight

Das linke Bild ist ohne Night Sight entstanden, das rechte Bild mit.

Beispiel 5

Der Night Sight Modus ist übrigens nicht auf die Hauptkamera begrenzt, sondern steht euch auch bei der Frontkamera zur Verfügung. Unserem ersten Eindruck nach, stellt er die bessere Alternative zum "Selfie mit Blitz" dar, in diesem Modus nutzt das Pixel 3 XL die Helligkeit des Bildschirms um euer Gesicht auszuleuchten. Beide Modi lassen sich auch kombinieren. Die Bilder sind übrigens um 20:45 Uhr entstanden.

Selfie mit Night Sight auf dem Pixel 3 XL
Mit Blitz Pixel 3 XL Selfie

Das linke Bild ist ohne Night Sight entstanden, das rechte Bild mit.

Dafür, dass es sich hier um noch ein unfertiges Software-Feature handelt, sind die Ergebnisse schon beeindruckend. Auf dem Handy-Screen sehen die gemachten Aufnahmen nochmal um einiges besser aus, was nahelegt, dass die Darstellung auf den Bildschirm des Pixel 3 XL optimiert ist. Im Vergleich zu den Nacht-Modi anderer Kamera-Handys arbeitet Night Sight zudem sehr schnell, was die Verwackelungsgefahr minimiert.

Night Sight wird per Update auch auf dem Pixel 2 zur Verfügung gestellt werden. Sobald Google das finale Update veröffentlicht hat, werden wir den Text aktualisieren und den Night Sight-Modus nochmals ausführlich im Vergleich mit anderen Smartphones testen.

Fazit zur Kamera: Das Google Pixel 3 XL kann durchaus mit den Konkurrenten mithalten - auch wenn es nur eine Kamera auf der Rückseite bietet. Es ist beeindruckend, was Google hier mit seiner Software selbst im Vergleich mit einer DSLR wie der Sony Alpha 7S II herausholt. Die Macht der Algorithmen ist aber beschränkt. Bei hohen Zoomstufen reichen sie nicht an die Qualität eines optischen Zooms heran. Der Night Sight-Modus könnte der Konkurrenz dagegen Kopfschmerzen bereiten.

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Sony Alpha 7S II vs. Google Pixel 3 XL: Wer macht die besseren Bilder? Artikel Profi-Kamera und Handy im Vergleich Kamera-Handys verblüffen uns immer wieder in puncto Bildqualität und Dynamikumfang. Doch wie schlagen sie sich im Vergleich zu einer Profi-Kamera? Netzwelt hat das Google Pixel 3 XL und die Sony Alpha 7S II im Foto-Vergleich. Jetzt lesen

Preis und Verfügbarkeit

Das Google Pixel 3 XL ist ab dem 2. November in Deutschland im Handel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung lautet 939 Euro für das Modell mit 64 Gigabyte Speicher, für das 128-Gigabyte-Modell verlangt Google 1.049 Euro. Der Preis bewegt sich auf dem Niveau des Vorgängers und der Konkurrenz, die zum selben Preis teilweise aber mehr Speicher bietet.

Google Pixel 3 XL: Fazit

Nicht spektakulär, aber rundum gelungen 8.8/10

Das Pixel 3 XL mag auf dem Papier nicht spektakukär sein, das Nutzerlebnis ist es aber. Google stimmt Hard- und Software nahezu perfekt aufeinander ab. Ein lager Support mit Updates und Sicherheitspatches ist garantiert. Wer ein ausgereiftes Handy sucht, das er länger als die üblichen zwei Jahre nutzen kann. Sollte das neue Pixel auf dem Zettel haben.

Das hat uns gefallen

  • Kamera
  • Sprachqualität
  • Garantierte Android-Updates für drei Jahre

Das hat uns nicht gefallen

  • Top-Shot-Funktion nicht intuitiv
  • nur 64 Gigabyte Speicher
  • Ladekabel kann nicht als Datenkabel verwendet werden
  • kein Dual-SIM
Testnote 8,8 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
9,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

9,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

10 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise von Google für einen Monat zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

9
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Google Pixel 3 XL selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 9 von 10 möglichen Punkten bei 76 abgegebenen Stimmen.
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Google Pixel 3 XL verglichen

Ihr seid euch unsicher, ob ihr das Google Pixel 3 XL kaufen oder lieber zu einem Konkurrenzprodukt greifen solltet? Die folgenden Vergleichstests helfen euch bei der Kaufentscheidung. Wir stellen hier das Google Pixel 3 XL seinen schärfsten Konkurrenten gegenüber.

Bestenlisten

Google Pixel 3 XL wurde in folgende Smartphone-Bestenlisten einsortiert.

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Smartphone und Google Pixel 3 XL.

Das Google Pixel 3 XL wurde ursprünglich mit Android 9 "Android P" ausgeliefert. Mittlerweile ist für das Google Pixel 3 XL die Version 9 "Android P" verfügbar.

Google Pixel 3 XL im Zeitverlauf
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  • Google Pixel 3-Event: So verfolgt ihr den Launch im Live-Stream

    09.10.2018 Google lädt zu seinem jährlichen #MadebyGoogle-Event. Auf der in New York stattfindenden Veranstaltung will der US-Konzern heute, 9. Oktober, neue Hardware präsentieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die neuen Smartphones Pixel 3 und Pixel 3 XL - dies deutet die rot hervorgehobene "3" in der Einladung an.

    Darüber hinaus wird es aber weitere Hardware zu sehen geben. So kursieren im Netz bereits Bilder eines Convertibles namens Pixel Slate, auch eine neue Version des Media Players Chromecast, eine neue Smartwatch sowie ein Smart-Speaker mit Display sollen heute präsentiert werden. Ihr könnt den Launch der neuen Google-Produkte live verfolgen. Google überträgt das Event auf YouTube. Ihr findet den Live-Stream nachfolgend eingebettet, sobald der Stream startet. Los geht es am 9. Oktober um 16.40 Uhr deutscher Zeit.

    Sollte der hier eingebettete Stream nicht funktionieren, könnt ihr das Launch-Event alternativ auch via Twitter verfolgen.

    Seid ihr unterwegs oder habt nur eine schmale Internetverbindung, solltet ihr den Newsticker von netzwelt im Auge behalten. Wir verfolgen für euch das Google-Event und versorgen euch zeitnah mit ersten Eindrücken zu den neuen Produkten.

    Möchtet ihr vorab mehr zum Google Pixel 3 (XL) wissen, haben wir eine Übersichtsseite dafür erstellt. Welche Neuerungen euch beim Pixel 3 konkret erwarten, haben wir ebenfalls zusammengefasst.

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