LG G7 ThinQ im Test: Diesem Smartphone könnt ihr beim Nachdenken zusehen

Fotografieren mit KI

Jan Kluczniok - Profilbild
von Jan Kluczniok
Teilen
Titelbild LG ThinQ 7

"Blumenkohl", "Froschperspektive" - wenn ihr mit dem LG G7 ThinQ fotografiert, werdet ihr diese und weitere Wörter öfters auf eurem Bildschirm lesen können. Denn der G6-Nachfolger denkt im Alltag gelegentlich für euch mit. Unser Test klärt, ob ihr dank Künstlicher Intelligenz (KI) als LG G7-Nutzer im Alltag auch mal den Kopf abschalten könnt oder besser wachsam bleibt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kamera
  2. Design und Verabeitung
  3. Display
  4. Ausstattung und Leistung
  5. Software
  6. Sprachqualität, Sound und Akkulaufzeit
  7. Preis und Verfügbarkeit
  8. Fazit & Alternativen
  9. Datenblatt

Der Nachfolger des LG G6 heißt nicht einfach LG G7, sondern trägt den Beinamen "ThinQ". Der südkoreanische Hersteller fasst unter dem Label seine Aktivitäten in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Heimautomatisierung zusammen. So gibt es seit 2015 einen Smart ThinQ genannten Sensor, der herkömmliche Haushaltsgeräte "intelligent" macht.

Im Smartphone-Segment verwendete das Unternehmen den Begriff erstmals beim im Februar auf dem MWC 2018 gezeigten LG V30S ThinQ, das hierzulande offiziell nie erhältlich war. Das Label "ThinQ" beschreibt hier diverse Funktionen, bei der euch eine KI hilfreich unter die Arme greifen soll. Auch beim LG G7 ThinQ ist das Thema "Künstliche Intelligenz" allgegenwärtig. Wie euch LG mittels KI den Umgang mit dem Smartphone leichter machen will, erfahrt ihr im Video und in den folgenden Zeilen.

LG G7 ThinQ

Am ehesten begegnet ihr der KI in der Kamera-App. Hier findet sich ein Button mit der Aufschrift "AI Cam". "Die 'AI Cam' analysiert das Motiv Ihres Fotos und wendet automatisch intelligente Einstellungen an, um Ihr Bild zu verbessern", heißt es zu dieser Funktion auf der LG-Homepage. Im Prinzip versteckt sich dahinter eine automatische Szenenerkennung. Drückt ihr den Button, versucht das Handy zu ermitteln, was ihr gerade vor der Linse habt, und wählt dann ein passendes Szenenprogramm. Dies klappt jedoch im Test nur bedingt.

Kamera

Als wir mit dem LG G7 ThinQ im Test ein Foto vom Hamburger Hafen vor unserer Bürotür schossen, wechselte die "AI Cam" in passende Szenenprogramme wie "Strand" oder "Meer". Hielten wir die Kamera dagegen auf einen Busch im Innenhof, tauchten auf dem Bildschirm minutenlang eine Vielzahl von Wörtern wie "Froschperspektive" oder "Blumenkohl" auf, doch nichts passierte. Stattdessen konnten wir dem G7 ThinQ beim Nachdenken zusehen.

Ein Grund hierfür dürfte der verbaute Prozessor sein. LG setzt beim G7 ThinQ auf den Octa-Core-Chip Snapdragon 845 des US-Herstellers Qualcomm. Er stellt zwar das aktuelle Top-Modell des Chipgiganten dar, besitzt jedoch keinen speziellen Co-Prozessor für Bilderkennung. Stattdessen werden diese Prozesse wahlweise im Hauptprozessor oder in der Grafikeinheit ausgeführt. Das ist zwar effizient, aber nicht unbedingt effektiv.

LG G7 ThinQ: Kamera-Samples

6 Bilder
Zur Galerie

Konkurrent Huawei setzt dagegen beispielsweise bei seinem Top-Modell P20 Pro auf den Octa-Core-Prozessor Kirin 970. Dieser enthält eine so genannte neurale Prozessoreinheit (NPU). Diese NPU arbeitet ähnlich wie das menschliche Gehirn und ist auf Sprach- und Bilderkennung spezialisiert. Sie kann somit wesentlich schneller Motive analysieren, in unserem Test hatte das P20 Pro etwa bereits den Busch als Pflanze erkannt, während das LG G7 ThinQ noch darüber grübelte, welches Szenenprogramm das passende ist.

Zu allem Überfluss sahen die mit der KI-Kamera geschossenen Bilder am Ende auch nicht besser aus, als die Bilder, die wir im Automatik-Modus fotografiert hatten. Ein weiterer Wermutstropfen: Die Kamera des LG G7 ThinQ gehört zwar eindeutig zu den besseren am Markt, anders als in den Jahren zuvor sehen wir die Konkurrenz jedoch in Sachen Detailgrad vorn. Auch bei schwachen Lichtverhältnissen liefern andere Geräte eine bessere Leistung ab, als das LG G7. Ihr könnt euch anhand der Mediengalerie einen eigenen Eindruck von der Bildqualität des LG-Handys verschaffen.

Design und Verabeitung

Das Thema "KI" wird aber nicht nur in der Kamera-App, sondern auch im Design des Smartphones sichtbar. So weist das G7 an der linken Geräteseite unterhalb der Lauter- und der Leiser-Taste einen zusätzlichen Button auf. Mit ihm ruft ihr jederzeit den Google Assistant auf, die alberne Aktivierungsphrase "Okay Google" entfällt. Der Sprachassistent versorgt euch nicht nur mit hilfreichen Informationen zu Wetter, bevorstehenden Terminen oder Fahrtwegen, sondern kann auf Zuruf auch Apps steuern - etwa Spotify oder TuneIn.

Der Assistant-Button erinnert an den Bixby-Button von Samsung. Im Unterschied zur Samsung-Software könnt ihr den Google Assistant aber auf Deutsch nutzen. Was ihn im Alltag zu einer echten Hilfe macht, vorausgesetzt ihr habt keine Hemmungen mit eurem Smartphone zu sprechen. Andernfalls ist der Knopf funktionslos für euch. Mit einer anderen Funktion belegen könnt ihr ihn aktuell nicht.

Neben dem Google Assistant-Button fällt ein weitere Knopf ins Auge. Das G7 verfügt am rechten Gehäuserand über einen klassischen Einschalter. Diesen hatte der südkoreanische Hersteller vor einigen Jahren bei seiner G-Serie auf die Rückseite verbannt, was bei den Nutzer aber offenbar nicht den gewünschten Anklang fand. Nun befindet sich dort nur noch der Fingerabdrucksensor. Die Front wird von einem großen Bildschirm (6,1 Zoll) im 18:9-Format, inklusive einer durch das iPhone X populär gewordenen Einkerbung, bedeckt. Verpackt sind der Screen und die weitere Hardware in einem Metallrahmen. Die Rückseite des Gehäuse besteht aus Glas.

So weit, so gewöhnlich. Auf den ersten Blick ist das LG G7 somit kaum mehr von der Konkurrenz zu unterscheiden. Dabei war ein ausgefallenes Design stets ein Alleinstellungsmerkmal der Serie. Doch egal ob Tasten auf der Rückseite (LG G2), gebogenes Gehäuse (LG G3), Lederrücken (LG G4) oder modularer Aufbau (LG G5), nichts davon findet sich im LG G7 mehr wieder. Selbst bei den zur Auswahl stehenden Farbvarianten wagt LG keine Experimente mehr: Mit "New Aurora Black" (Schwarz) und "New Platinum Gray" (Grau) setzt LG hierzulande auf dezente Farben, mit denen man garantiert nicht mehr aneckt.

Wer hofft, dass LG zumindest eine Lösung gegen die Anfälligkeit für Fingerabdrücken und ein Mittel gegen den geringen Grip von Geräten mit Glasrückseite gefunden hat, den müssen wir enttäuschen. Das G7 ThinQ ist in dieser Hinsicht nicht besser als die Konkurrenz. Wer nicht aufpasst, dem flutscht das Handy schneller aus den Fingern, als ihm lieb ist. Immerhin ist das Gehäuse gemäß IP68 gegen Staub und Wasser geschützt und das Smartphone bietet auch einen Stoßschutz gemäß MIL-STD-810G.

Display

Das Display des LG G7 ThinQ ist selbst bei starker Sonneneinstrahlung ablesbar.
Das Display des LG G7 ThinQ ist selbst bei starker Sonneneinstrahlung ablesbar. (Quelle: netzwelt)

Das Display ist ein echtes Highlight beim LG G7 ThinQ. Der südkoreanische Hersteller verbaut hier ein 6,1 Zoll großes LCD-Panel mit einer Auflösung von 3.120 x 1.440 Pixeln. Dabei misst die Front des Smartphones gerade einmal 153,2 x 71,9 Millimeter. Das LG-Handy ist damit gut zwei Millimeter schmaler und kürzer als Konkurrenten mit gleicher Bilddiagonale. Wer sich mit den immer größer werdenden Smartphones schwer tut, sollte dem LG G7 eine Chance geben. Selten haben wir ein kompakteres 6-Zoll-Smartphone gesehen.

Der kompakte Formfaktor ist aber nicht die einzige Besonderheit des Bildschirms. Auf Knopfdruck kann er eine Helligkeit von 1.000 Nit erreichen und ist dann auch bei direkter Sonneneinstrahlung problemlos ablesbar. Da dieser Modus Akku und Prozessor aber stark fordert, wirder nach drei Minuten beendet. Gerade wer viel draußen unterwegs ist, wird das Feature aber zu schätzen wissen. Zumal der Screen sich bei Schärfe, Blickwinkel und Farbdarstellung keine Blöße gibt und sich nicht hinter Konkurrenten mit AMOLED-Screen verstecken muss.

Ausstattung und Leistung

Wie bereits erwähnt werkelt im LG G7 ThinQ der Qualcomm-Chip Snapdragon 845. Dementsprechend dürft ihr euch im Alltag nicht über mangelnde Leistungsreserven beklagen. Unser Benchmark-Vergleich zeigt jedoch, dass die Konkurrenz eine Nasenspitze voraus ist.

Benchmark/Handy LG G7 ThinQ OnePlus 6 Galaxy S9 iPhone X
GeekBench (Single-Core) 2.420 Punkte 2.448 Punkte 3.748 Punkte 4.265 Punkte
GeekBench (Multi-Core) 8.935 Punkte 9.071 Punkte 8.911 Punkte 10.292 Punkte
AnTuTu 245.248 Punkte 264.828 Punkte 247.380 Punkte 246.465 Punkte

Im Vergleich eher knapp bemessen ist auch der Speicher des Handys. Das G7 bietet ab Werk 64 Gigabyte Gerätespeicher und 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Immerhin könnt ihr den Gerätespeicher noch per microSD-Karte um bis zu 2 Terabyte erweitern, dann könnt ihr aber keine zweite SIM-Karte mehr in das LG G7 einlegen.

Ansonsten lässt das LG G7 ThinQ wenig vermissen. Mit Bluetooth 5.0, NFC und WLAN ac sind die neuesten Funkstandards an Bord. Ungewöhnlich für Geräte in dieser Preisklasse ist die Integration eines UKW-Radioempfängers und auch auf einen Klinkenstecker müssen audiophile Nutzer nicht verzichten. Ihr könnt also nach wie vor gute Kopfhörer anschließen.

Software

Als Betriebssystem fungiert ab Werk Android 8.0 Oreo. Ein Update auf Android 9.0 Pie gilt als sicher, wann es erscheint, ist aber ungewiss. In den vergangenen Jahren hat LG es zwar geschafft, seine Top-Modelle stets mit einer aktuellen Android-Version auszuliefern. Bei späteren Aktualisierungen kam es aber immer wieder zu Verzögerungen.

LG: Android-Updates für Smartphones und Tablets im Überblick
LG: Android-Updates für Smartphones und Tablets im Überblick Thema Auf dieser Seite findet ihr eine Übersicht zu bevorstehenden und erhältlichen Android-Updates für die Smartphones- und Tablets des südkoreanischen Herstellers LG. Jetzt lesen

Statt auf pures Android setzt LG auf eine eigene Nutzeroberfläche, die sich in Aufbau und Funktion an Apples iOS orientiert. Einige zusätzliche von LG integrierte Features sind durchaus praktisch. Oftmals existiert aber zu einer von Google entwickelten System-App auch ein LG-Pendant, dies ist aus unserer Sicht nicht immer notwendig.

Sprachqualität, Sound und Akkulaufzeit

Das LG G7 ThinQ bietet eine ordentliche Sprachqualität. Andere Top-Modelle klingen aber klarer oder es gelingt ihnen Störgeräusche besser herauszufiltern. In beiden Punkten hat das LG G7 ThinQ noch Nachholbedarf.

Der Lautsprecher an der Unterseite nutzt das gesamte Gehäuse als Resonanzraum.
Der Lautsprecher an der Unterseite nutzt das gesamte Gehäuse als Resonanzraum. (Quelle: netzwelt)

Nutzt ihr zum Musik hören oder Telefonieren den Lautsprecher des Smartphones, profitiert ihr vom Boombox-Design. Der Lautsprecher an der Unterseite nutzt laut LG das gesamte Gehäuse als Resonanzraum. Das verleiht ihm Power, im direkten Vergleich übertönte der LG-Speaker sogar das Galaxy S9 mit seinen Stereo-Lautsprechern. Doch Lautstärke ist leider nur die eine Seite der Medaille, bei der Klangqualität bringt das Boombox-Design keine nennenswerten Vorteile.

Strom bezieht das LG G7 aus einem 3.000-Milliamperestunden-Akku. Im Akkutest erzielte das Handy eine Laufzeit von 7,5 Stunden. Mit einer Akkuladung solltet ihr also durch den Tag kommen, viel längere Laufzeiten sind aber nicht drin. An der Steckdose muss das LG G7 ThinQ dank Unterstützung für Quick Charge 3.0 weniger als 90 Minuten verweilen. Wahlweise könnt ihr es auch drahtlos aufladen. Anders als in den Jahren zuvor unterstützt LGs neues Top-Modell nun auch in Europa Wireless Charging.

Preis und Verfügbarkeit

Das LG G7 ThinQ ist in Deutschland seit Juni 2018 verfügbar. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 849 Euro. Aktuelle Preise findet ihr am Ende des Artikels.

LG G7 ThinQ: Fazit

Ohne ThinQ ist das LG G7 besser dran. 7.8/10

LG betont bereits im Namen des LG G7 das Thema "Künstliche Intelligenz". Diese entpuppt sich im Test im Alltag jedoch kaum als Hilfe. Begeistern kann das Handy dagegen mit seinem extra hellen Display, dem vergleichsweise kompakten Format und der umfangreichen Ausstattung. Lediglich etwas mehr Speicher hätte es hier sein dürfen.

Das hat uns gefallen

  • großes Display kompakt verbaut
  • FM-Radio
  • Wireless Charging
  • Display wahlweise mit 1.000 Nit Helligkeit

Das hat uns nicht gefallen

  • KI-Features wenig hilfreich
  • Speicher fällt nur durchschnittlich groß aus
  • Kamera enttäuscht bei schwachen Lichtverhältnissen
Testnote 7,8 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
8,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

9,0 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

7,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

7,0 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt für vier Wochen von LG leihweise zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

Weitere Angebote anzeigen
9
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt LG G7 ThinQ selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 9 von 10 möglichen Punkten bei 12 abgegebenen Stimmen.
Vielen Dank für deine Bewertung!

LG G7 ThinQ verglichen

Ihr seid euch unsicher, ob ihr das LG G7 ThinQ kaufen oder lieber zu einem Konkurrenzprodukt greifen solltet? Die folgenden Vergleichstests helfen euch bei der Kaufentscheidung. Wir stellen hier das LG G7 ThinQ seinen schärfsten Konkurrenten gegenüber.

Bestenlisten

LG G7 ThinQ wurde in folgende Smartphone-Bestenlisten einsortiert.

LG G7 ThinQ - Specs: Die technischen Daten im Überblick

Die nachfolgende Tabelle zeigt euch die wichtigsten technischen Daten des LG G7 ThinQ im Überblick. Eine detaillierte Auflistung findet ihr im technischen Datenblatt, um das LG G7 ThinQ mit anderen Smartphones zu vergleichen besucht unseren Handy-Vergleich.

Prozessor Qualcomm SDM845 Snapdragon 845
Display LCD Color (16M) 3120x1440 px (6.1") 564ppi
RAM 4 GB
Gerätespeicher 64 GB
Hauptkamera 16 Megapixel
Alle Details anzeigen

Das könnte dich auch interessieren

Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, LG, Smartphone und LG G7 ThinQ.

zur
Startseite

zur
Startseite