Motorola Moto Z im Test: Hurra, es ist modular!

Erweiterbare Smartphones ausprobiert

Moto Z 5

Das Moto Z ist heißer Anwärter auf den Titel "innovativstes Smartphone 2016". Per Magnetverbindung könnt ihr Module an das Moto Z anheften und so das Handy um einen Pico-Beamer oder einen 10-fachen optischen Zoom für die Kamera erweitern. Sinnfreie Spielerei oder praktisches Feature? Ein Test.

Inhaltsverzeichnis

  1. Moto Mods: Modulare Helfer
  2. Moto Style Sheets
  3. Design und Verarbeitung
  4. Ausstattung, Leistung und Bedienung
  5. Sprachqualität, Dual-SIM und Akkulaufzeit
  6. Kamera
  7. Preis und Verfügbarkeit
  8. Fazit & Alternativen

 - Für das Motorola Moto Z ist ein neue Betriebssystemversion geplant

Motorola beginnt mit der Verteilung von Android 8.0 Oreo für das Moto Z nun auch hierzulande. Was ihr rund um das Updates und dessen Installation wissen müsst, erfahrt ihr hier.

Zum ArtikelVerfügbare Version: Android 6.0.0Geplante Version: Android 8.0

2013 sorgte Motorola, noch unter der Führung von Google, mit seinem Project Ara für Aufsehen. Das Smartphone verfolgte einen modularen Ansatz. Komponenten wie Display, Kamera oder Prozessor sollten sich so leicht wie Lego-Steine auswechseln lassen. Daraus wurde nichts. Google verkaufte den US-Handyhersteller 2014 an Lenovo. Die Pläne für Project Ara blieben zwar im Besitz des Suchmaschinenanbieters, doch die Arbeiten am modularen Smartphone wurden mittlerweile eingestellt.

Motorola greift unter neuer Führung den modularen Gedanken nun wieder auf - allerdings in anderer Form. Das neue Top-Smartphones Moto Z lässt sich mittels Modulen, vom Hersteller liebevoll "Moto Mods" genannt, funktional erweitern - die eigentliche Hardware der Smartphones bleibt jedoch unverändert. Dieses Konzept kennen wir bereits vom LG G5 und den LG Friends. Doch die Motorola-Variante entpuppte sich im Test als wesentlich ausgereifter.

Motorola Moto Z im Kurztest

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Moto Mods: Modulare Helfer

Anders als beim LG G5 ist etwa für das Anbringen eines Mods kein Neustart des Gerätes erforderlich. Die Moto Mods können im laufenden Betrieb gekoppelt oder entfernt werden. Sie haften magnetisch am Moto Z. Verantwortlich sind hierfür die goldenen Kontakte auf der Rückseite der Smartphones. Zusätzlichen Halt verleiht die hervorstehende Kameralinse - alle Mods weisen nämlich eine runde Aushöhlung auf. Diese wird um die runde Linse gelegt, die Kamera arretiert damit praktisch das Mod und verhindert ein Verrutschen. Selbst beim kräftigsten Schütteln fielen die Moto Mods im Test nicht vom Moto Z ab.

Mit dem Smartphone kommunizieren die Moto Mods über die proprietäre Schnittstelle, die an den magnetischen Kontakten beheimatet ist. Sie ähnelt dem Smart Connector des iPad Pro und ist in der Lage sowohl Daten als auch Strom zwischen Mod und Moto Z zu übertragen.

Zum Marktstart sind vier Moto Mods verfügbar. Mit Ihnen lässt sich das Moto Z etwa in eine Kompaktkamera verwandeln oder um einen Pico-Beamer erweitern. Motorola hat diese Module teilweise mit namenhaften Herstellern wie JBL oder Hasselblad entwickelt. Preislich gesehen sind die Mods nicht billig - teilweise verlangt Motorola mehrere hunderte Euros für die Erweiterungen. Ob sich der Kauf einer oder mehrerer Erweiterungen lohnt, erfahrt ihr in den einzelnen Test:

Moto Style Sheets

Wer keine zusätzlichen Funktionen benötigt, kann an die magnetische Schnittstelle statt einem Moto Mod auch ein so genanntes Moto Style Sheet anheften. Hierbei handelt es sich praktisch um Wechselcover. Motorola bietet dabei nicht nur Style Sheets in diversen Farbe an, sondern lässt den Nutzer auch die Wahl beim Material. So wird es etwa Cover aus Leder und Holz geben. Die Preise variieren je nach Material. Für ein Holzcover verlangt Motorola in seinem Online-Shop 27 Euro. Ab Werk liegt dem Moto Z ein Style Sheet in der Farbe "Black Heringbone Nylon" bei.

Design und Verarbeitung

Was bieten das Moto Z abseits des modularen Ansatzes? Hersteller Lenovo bewirbt vor allem das Design und erklärt das Moto Z zum "weltweit flachste Premium-Smartphone". Tatsächlich ist das Gerät mit 5,2 Millimetern deutlich dünner als das iPhone 7 (7,1 Millimeter) oder das Galaxy S7 (7,9 Millimeter). Das sieht zwar schick aus, fühlt sich aber nicht so an. Das "nackte" Moto Z drückt uns mit seinen scharfen Kanten im Test unangenehm ins Fleisch. Erst als die Rückseite mit einem Style Sheet, dass das Smartphone einen Tick dicker macht, versehen wurde, schmiegte sich das Moto Z sanft in unsere Hand.

Woran aber auch das Style Sheet nichts ändert, ist die ungüstige Position des Einschalters sowie der Lautstärkeregler. Die Tasten sind sehr weit oben am Rand des 5,5-Zoll-Smartphones angebracht. Nutzer mit kleinen Händen müssen ihre Finger arg strecken um sie zu erreichen, was die Gefahr das einem das Smartphone aus der Hand rutscht erhöht. Das ist nicht gut, denn das Moto Z verfügt in Deutschland nicht über ein bruchsicheres Shattershield-Display - wie ihr es etwa vom Moto X Force kennt. Das Moto Z Force gibt es aktuell lediglich in den USA beim Mobilfunkanbieter Verizon zu kaufen.

In Sachen Robustheit besteht beim Moto Z generell noch Nachholbedarf. So ist das Smartphone zwar mit einer wasserabweisenden Nanobeschichtung überzogen, diese ist aber nicht mit einem Wasserschutz gemäß IP68 zu verwechseln - unter die Dusche solltet ihr das Moto Z auf keinen Fall mitnehmen. Die Nanoschicht wehrt allenfalls Wasserspritzer oder leichtem Regen ab.

Ausstattung, Leistung und Bedienung

Das Moto Z verfügt über ein 5,5 Zoll großes AMOLED-Display, das mit 2.560 x 1.440 Pixeln auflöst. Am Screen gab es im Test wenig zu meckern, ebenso wenig wie an der Systemperformance. Kein Wunder als Prozessor fungiert schließlich Qualcomms Top-Prozessor Snapdragon 820. Ihm stehen 4-Gigabyte-Arbeitsspeicher zur Verfügung. Für Nutzerdaten gibt es 32-Gigabyte-Gerätespeicher, erweiterbar per microSD-Karte.

Unterhalb des Displays bietet das Moto Z einen Home-Button - dachten wir zumindest. Tatsächlich lässt sich der vermeintliche Knopf nicht drücken. Das rechteckige Objekt dient lediglich als Gehäuse für den Fingerabdruckscanner. Mit diesem könnt ihr das Smartphone sperren und entsperren. Zum Startbildschirm gelangt ihr dagegen nur über eine Bildschirmtaste. Das ist nervig, und erfordert ein Umdenken gegenüber vertrauten Bedienkonzepten anderer Smartphones. Lenovo begründet dies mit Googles Designrichtlinien, die On-Screen-Button vorschreiben.

Diesen Gehorsam gegenüber Google legt der Hersteller aber nicht immer an den Tag. Ausgeliefert wird das Moto Z mit Android 6.0 Marshmallow, das Sicherheitspatch-Level datiert vom 1. August 2016 - ist also zwei Monate alt. Monatliche Sicherheitspatches plant Lenovo für das Moto Z nicht. Ein erstes Sicherheitsupdate dürfte erst mit dem versprochenen Upgrade auf Android 7.0 Nougat veröffentlicht werden. Immerhin dies soll noch bis Ende des Jahres erscheinen.

An der Android-Nutzeroberfläche hat Lenovo kaum Änderungen vorgenommen. Hinzu gekommen sind lediglich Kleinigkeiten - etwa eine Geste mit der ihr den Bildschirm mit einem Fingerwisch über den Home-Button auf die Hälfte schrumpfen könnt. Das soll bei Bedarf die Bedienung des 5,5-Zoll-Smartphones mit einer Hand erleichtern. Zudem haben die Entwickler alt bekannte Features wie das Aktivieren der Kamera mit einer Handdrehung oder den 2016 von Samsung populär gemachten Always-on-Bildschirm zu Android hinzugefügt. Alle diese Features gab es aber bereits auch 2013 auf dem ersten Moto X.

Verbunden mit PC oder Steckdose wird das Moto Z über einen USB Typ C-Anschluss. Leider legt Motorola kein Datenkabel bei, sondern nur ein Ladegerät mit fest integrierten USB-Kabel. Wer das Moto Z mit dem Rechner verbinden will, muss also ein paar Euro in ein microUSB Typ C auf USB A-Kabel investieren. Über den USB Typ C-Port lassen sich auch Kopfhörer an das Moto Z anschließen. Wie Apple beim iPhone 7 verzichtet auch Lenovo beim Moto Z auf einen Klinkeneingang. Ein entsprechender Adapter für Kopfhörer mit Klinkenstecker liegt aber bei. Den Klang veränderte er im Test übrigens nicht.

Sprachqualität, Dual-SIM und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität des Moto Z ist nicht glasklar. Oftmals wirken die Stimmen der Gesprächspartner etwas blechern und das obwohl Nebengeräusche nur bedingt gefiltert werden. Für Telefonie und Datenverkehr setzt das Moto Z eine Nano-SIM-Karte voraus. Besitzt ihr keine, müsst ihr eure SIM-Karte zuschneiden.

Wahlweise könnt ihr das Moto Z auch mit zwei Nano-SIM-Karten parallel betreiben - eine Besonderheit. Top-Smartphones werden in Deutschland zumeist nur in einer Single-SIM-Variante veröffentlicht. Entscheidet ihr euch für den Betrieb als Dual-SIM-Smartphone, müsst ihr jedoch auf die Möglichkeit verzichten den Speicher per microSD-Karte zu erweitern.

Dünne Smartphones bieten zumeist eine schwache Akkuleistung. Das Moto Z ist hier die Ausnahme. Lenovo verbaut im Moto Z einen 2.600-Milliamperestunden-Akku. Die Leistung reichte im Test stets für einen Arbeitstag und wenn es doch einmal eng wird, ist die Batterie dank des beiliegenden Turbo Chargers binnen weniger Minuten aufgeladen. Eine Vollladung dauert zum Beispiel nur knapp 70 Minuten.

Kamera

Für Foto- und Videoaufnahmen bietet das Moto Z eine 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite. Diese besitzt eine Blende von F1.8, einen optischen Bildstabilisator sowie einen Laser-Autofokus. Im Test liefert das Moto Z brauchbare Schnappschüsse, stößt aber bei schwachen Lichtverhältnissen ein wenig schneller an seine Grenzen als die Konkurrenz. Selfies zeichnet das Moto Z mit fünf Megapixeln auf. Die Frontkamera besitzt zudem eine Foto-LED mit der ihr euch bei schwachen Lichtverhältnissen ausleuchten könnt. Unser Tipp: Lasst das besser. Im Test erzielten wir dadurch keine brauchbaren Ergebnisse.

Einen Eindruck von der Bildqualität liefert euch die folgende Mediengalerie.

Moto Z: Kamera-Samples

4 Bilder
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Fotos könnt ihr übrigens nur in JPEG aufnehmen. RAW-Aufnahmen gestattet die Kamera-App von Motorola nicht und auch mit der kostenfreien Kamera-App OpenCamera ließ sich das Moto Z nicht dazu bewegen Bilder im Rohformat abzulegen. Wer Fotos in RAW aufnehmen will, muss für knapp 300 Euro das Moto Mod Hasselblad True Zoom erwerben oder direkt zu Konkurrenten wie etwa dem Galaxy S7 greifen.

Preis und Verfügbarkeit

Das Moto Z ist ab sofort im Handel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung lautet 699,99. Nachfolgend findet ihr aktuelle Angebote für das Lenovo-Smartphone.

Motorola Moto Z : Fazit

Modulares Konzept überzeugt, Mods (noch) nicht ganz 8.2/10

Der modulare Ansatz des Moto Z (Play) wirkt deutlich ausgereifter als bei der Konkurrenz. Abzuwarten bleibt, ob die Nutzer bereit sind für die gebotenen Zusatzfunktionen noch einmal tief in die Tasche zu greifen - zumal der Mehrwert der ersten Mods überschaubar ist. Wer auf die Zusatzmodule verzichtet, erhält ein ordentliches Smartphone. Das sich aber nicht nennenswert von der Konkurrenz absetzen kann.

Das hat uns gefallen

  • modular erweiterbar
  • Dual-SIM
  • Akku lädt sehr schnell auf

Das hat uns nicht gefallen

  • kein Datenkabel im Lieferumfang
  • Kamera unterstützt kein RAW-Format
  • Module sind kostspielig
Testnote 8,2 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
9,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

9,0 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

7,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

8,0 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise für drei Wochen von Lenovo zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

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9
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Bestenlisten

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Motorola Moto Z im Zeitverlauf
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  • Moto Z für 249 Euro bei Saturn: Top-Smartphone zum Tiefpreis

    21.04.2017 Saturn lockt aktuell mit einem fast unglaublichen Angebot. Der Händler reduziert in seinem Online-Shop vorübergehend das Lenovo-Smartphone Moto Z. Das aktuelle Top-Modell des chinesischen Herstellers kostet bei Saturn derzeit nur 249 Euro. Üblicherweise müsst ihr für das Smartphone den doppelten Preis zahlen.

    Lohnt sich der Kauf? Absolut! Das Lenovo Moto Z ist technisch vergleichbar mit dem Galaxy S7 Edge, läuft aber mit purem Android. Ihr müsst euch also nicht über Bloatware auf dem Smartphone ärgern und erhaltet zudem Android-Updates zeitnah. Ein weiterer Vorteil: Das Moto Z ist modular aufgebaut. Über eine Schnittstelle könnt ihr per Modul Funktionen nachrüsten - aktuell bietet Lenovo unter anderem ein Kamera-Modul mit optischen Zoom (Hasselblad TrueZoom) und einen Mini-Beamer für das Moto Z an.

    Einziger Haken: Saturn bietet das Moto Z derzeit nur in der Farbe Fine Gold an. Wem dies nicht zusagt, kann darauf hoffen, dass Amazon das Angebot kontert, und ebenfalls den Preis für das Moto Z senkt. Der Versandhändler bietet mit dem Moto G4 derzeit bereis ein Lenovo-Smartphone zum Tiefpreis an.

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