Kontaktlos Bezahlen mit NFC-Karte oder Handy: So geht's

Systeme, Akzeptanzstellen und Geräte im Überblick

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von Jan Kluczniok
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Das Bezahlen mit NFC beschleunigt den Bezahlvorgang.

Das kontaktlose Bezahlen per NFC und Handy ist auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland könnt ihr endlich komfortabel mit Google Pay und Co zahlen. Doch was benötigt ihr, um unterwegs per NFC oder Handy kontaktlos zu bezahlen und wie sicher ist die Technik? Netzwelt verrät es euch.

Inhaltsverzeichnis

  1. Diese Vorteile bietet das kontaktlose Bezahlen
  2. Wo kann ich in Deutschland mit NFC bezahlen?
  3. Was brauche ich, um kontaktlos zu bezahlen?
  4. Wie funktioniert das kontaktlose Bezahlen per Handy?
  5. Wie sicher ist der kontaktlose Bezahlvorgang?

Das traditionelle Bezahlen mit Bargeld oder Karte birgt viele Nachteile. Bei Bargeld müsst ihr immer darauf achten, genügend "Cash" mitzuführen, um eure Einkäufe bezahlen zu können. Zudem kann es dauern, bis der Kassierer das Wechselgeld abgezählt hat. Das Bezahlen mit Karte ist da praktischer und weit verbreitet - vorausgesetzt ihr könnt euch eure PIN merken. Wesentlich schneller geht es aber nicht.

Diese Vorteile bietet das kontaktlose Bezahlen

Geht das nicht einfacher? Ja, geht es und zwar mittels kontaktlosen Bezahlen. Möglich wird dies dank der sogenannten Near Field Communication-Technik, abgekürzt wird diese auch NFC genannt. Der Prozess ist wesentlich schneller, da Handy oder NFC-Karte nur in die Nähe des Lesegerätes gehalten werden müssen, um zu bezahlen. Je nach Anbieter müssen dabei Beträge bis 25 Euro beziehungsweise 50 Euro nicht durch eine PIN-Eingabe autorisiert werden.

Wie schnell ihr per NFC bezahlen könnt, zeigt euch die folgende Animation. Hier wird ein Betrag von unter 25 Euro mit einem NFC-fähigen Armband bezahlt. Die Eingabe einer PIN ist daher nicht erforderlich.

Wo kann ich in Deutschland mit NFC bezahlen?

Symbol für kontaktloses Bezahlen.
Symbol für kontaktloses Bezahlen. (Quelle: aa-w/depositphotos.com)

NFC ist keine neue Technik. Der Funkstandard existiert bereits seit fast zehn Jahren. In Deutschland fristete das Bezahlen mit NFC aber lange Zeit ein Schattendasein. Das hat sich in den vergangenen Jahren drastisch geändert. Täglich steigt die Zahl der Akzeptanzstellen, auch hierzulande. Unter anderem könnt ihr bereits in nahezu allen großen Supermärkten und bei Händlern wie Media Markt, Saturn oder Karstadt kontaktlos bezahlen. Aber auch auf Festivals, wie zum Beispiel dem Hurricane setzt sich das bargeldlose Bezahlen zunehmend durch. Ob ein Bezahlen per NFC möglich ist, erkennt ihr in der Regel am links abgebildeten Symbol im Geschäft. Andernfalls fragt beim Händler nach, ob er kontaktloses Bezahlen anbietet. Statt dem Symbol links findet ihr häufig auch den Schriftzug "NFC" oder das Logo eines kontaktlosen Bezahldienstes wie etwa Google Pay. Dazu später noch mehr.

Was brauche ich, um kontaktlos zu bezahlen?

Um kontaktlos via NFC zu bezahlen, braucht ihr ein NFC-fähiges Gerät. Neuere Kredit- und Debitkarten, wie beispielsweise die Girocard, verfügen in der Regel über einen integrierten NFC-Chip. Dieser wird durch ein wellenförmiges Symbol auf der Karte, das an das Symbol für WLAN erinnert, dargestellt. Ihr findet das entsprechende Symbol in der Nähe des Geldkarten-Chips oder auf der Rückseite. Wessen Bank keine NFC-fähigen Karten anbietet, kann zu einem anderen Anbieter wechseln. In unserem Vergleichstest von Direktbanken boten alle vier Anbieter entsprechende Karten kostenlos an.

Dieses Symbol zeigt an, ob eure Karte für das kontaktlose Bezahlen vorbereitet ist.
Dieses Symbol zeigt an, ob eure Karte für das kontaktlose Bezahlen vorbereitet ist. (Quelle: perig76/depositphotos.com)

Wie funktioniert das kontaktlose Bezahlen per Handy?

Statt der Kreditkarte kann zum Bezahlen per NFC auch das Handy genutzt werden. Ein entsprechender Chip steckt mittlerweile schließlich fast in jedem Smartphone. Damit ihr mit dem Handy zahlen könnt, müsst ihr auf dem Gerät aber noch eine virtuelle Bankkarte (Kredit- oder Girokarte) hinterlegen. Für die Virtualisierung euer Bankkarte gibt es eine Vielzahl an Anbietern. Nicht jeder arbeitet aber mit jeder Bank zusammen.

Google hat beispielsweise erst kürzlich seinen Bezahldienst Google Pay in Deutschland gestartet. Diese können aber nur comdirect, Commerzbank- und N26-Kunden nutzen. Die Sparkasse sowie die Volksbanken und Raiffeisenbanken setzen auf eigene Lösungen (siehe Tabelle). Bankenunabhängig arbeitet dagegen Garmin Pay. Möglich macht dies eine Kooperation mit dem Zahlungsdienstleister VIMPay.

Bank Android iPhone
Sparkasse
eigene App
Volksbank
eigene App
Postbank
eigene App
Commerzbank
Google Pay
Deutsche Bank
eigene App
Apple Pay (Start Ende 2018)
Comdirect
Google Pay
DKB
Targobank
N26
Google Pay
Apple Pay (Start Ende 2018)
Hypo Vereinsbank
Apple Pay (Start Ende 2018)

iPhone-Nutzer bleiben bei den genannten Angeboten bislang Außen vor. Apple erlaubt die Nutzung von NFC auf dem iPhone nur in Verbindung mit dem hauseigenen Bezahlungsdienst Apple Pay. Dieser ist bislang in Deutschland nicht verfügbar, soll aber noch bis Jahresende starten. Mit an Bord werden dann wohl deutlich mehr Banken sein. Ob auch Konkurrent Samsung seinen Dienst Samsung Pay in Deutschland starten wird, bleibt abzuwarten.

Wie sicher ist der kontaktlose Bezahlvorgang?

Natürlich stellt sich beim Thema "Bezahlen mit NFC und Handy" auch die Frage nach der Sicherheit. Könnt ihr ohne Bedenken kontaktlos bezahlen oder birgt die neue Methode Risiken? Die Deutsche Kreditwirtschaft, ein Interessenverband der Kreditinstitute hierzulande, sagt dazu: "Es kommen die gleichen bewährten und hohen Sicherheitsmechanismen zum Einsatz wie bei der bisherigen kontaktbehafteten girocard", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes.

Ein versehentliches Bezahlen im Vorbeigehen wird dem Kreditkartenanbieter Visa zufolge zudem technisch verhindert. Schließlich funktioniert das kontaktlose Bezahlen an der Kasse nur, wenn die Karte sehr nah an das Lesegerät gehalten wird (4 Zentimeter). Werden mehrere Karten vor dem Terminal erkannt, wird der Bezahlvorgang zudem abgebrochen, schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage.

Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht. "Lassen Sie sich nicht in die Karten schauen", heißt etwa ein Beitrag aus dem Jahr 2016 des Sicherheitsexperte Tobias Schrödel im Security-Blog "Ich glaube, es hackt!". Darin beschreibt Schrödel die Möglichkeit, Daten von NFC-fähigen Kreditkarten auszulesen. Dies ist tatsächlich sogar Laien möglich, etwa mit der kostenlosen Android-App "Scheckkartenleser".

Video: Kreditkarten-Daten mittels NFC-App auslesen

Dabei lässt sich in den meisten Fällen aber nicht viel mehr erbeuten als die Kartennummer und das Ablaufdatum. Daten, die sichtbar auf der Vorderseite der Kreditkarte abgedruckt sind und somit theoretisch bei jedem Bezahlen mit der Karte in die falschen Hände gelangen können. Diese reichen in der Regel aber nicht aus, um einen Kauf auf eure Kosten zu tätigen. Die meisten Online-Händler fragen beim Bezahlen mit der Kreditkarte zusätzliche Informationen ab, etwa den Namen des Karteninhabers oder die Prüfziffer auf der Rückseite. Zudem darf laut Schrödel nicht mehr "als eine dünne Hülle eines Ledergeldbeutels" zwischen Leser und Karte sein. Andernfalls klappt das Auslesen nicht mehr, wie unser Video zeigt.

Zwar gibt es Möglichkeiten, per NFC Daten auch aus größeren Entfernungen auszulesen, das Sicherheitsunternehmen Kaspersky erläutert diese bereits 2015 in einem Blogbeitrag. Doch der Aufwand steht hier in keinem Verhältnis zum Ertrag. Angreifer müssten einen Trojaner auf euren Smartphone installieren, und ein reguläres Kassenterminal betreiben. Dadurch ließe sich die Identität der Kriminellen aber leicht zurückverfolgen.

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Wer dennoch ein Unbehagen verspürt, kann sich bei Banken kostenlos eine Schutzhülle für die Kreditkarte besorgen, diese blockt das NFC-Signal, wenn ihr die Karte in der Hosentasche tragt. Alternativ bieten einige Banken Mastercard zufolge auch auf ausdrücklichen Wunsch eine Karte ohne Kontaktlosfunktion an.

Und wie steht es um die Sicherheit beim Bezahlen mit dem Smartphone? Einerseits eröffnet das Smartphone Kriminellen neue Angriffsmöglichkeiten - zum Beispiel durch die Infektion des Geräts mit einem Trojaner. Auf der Black Hat-Konferenz demonstrierten Hacker etwa eine Möglichkeit das Bezahlsystem Apple Pay zu kompromittieren.

Allerdings arbeiten die Hersteller und Zahlungsdienstleister zeitgleich an neuen Sicherheitslösungen. Bei Mastercard kommt etwa ein neues Verschlüsselungssystem namens MDES zum Einsatz. Bei diesem wird nicht die Kartennummer auf dem Smartphone gespeichert, sondern nur ein Token. Dieser wird aus der Kartennummer generiert und ist an das jeweils gewählte Gerät gebunden. Für den Kunden bedeutet das zusätzliche Sicherheit: Für die einzelne Zahlung werden nur Token und dessen Ablaufdatum bereitgehalten, nicht aber die vertraulichen Kreditkarteninformationen.

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Beim Bezahlen erfolgt die Übergabe des Tokens inklusive des Ablaufdatums in standardisierter, verschlüsselter Form an das Kassenterminal. Der Token wird dann von Mastercard geprüft und die Transaktion autorisiert. Die Kartennummer kann laut Anbieter somit in diesem Prozess nicht abgegriffen werden, auch nicht bei Verlust des Smartphones.

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